26 Momente 2009

11. Dezember 2009

Keine Best-Of-Liste, sondern eine subjektive Erinnerung an 26 Kinomomente, die sich eingeprägt haben. Ausgewählt aus jenen 82 in diesem Jahr im Kino in Deutschland angelaufenen Filmen, die ich gesehen habe – in der Reihenfolge ihres Starttermins:

Die den Menschen passend machende Industrialisierung, klug gefasst in ein einziges Bild: Benno Fürmann als Gefangener der Gurkenernte-Maschine in Christian Petzolds Jerichow.

Die Katze in Bolt, die dem Hund das Hund-Sein beibringt und dabei herrlich gelangweilt dreinschaut.

Die um sich selbst kreisende Ballerei im Guggenheim-Museum (The International, Tom Tykwer).

The Wrestler (Darren Aronofsky): „Yeah, the Nineties sucked!“ Ein Satz, den man niemandem so sehr glaubt wie Mickey Rourke:
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Die Commodores, On the Nightshift, und eine der schönsten Kneipenszenen seit langem: 35 Rhums von Claire Denis.

Eastwoods Knurren in Gran Torino.

Der Vorspann von Watchmen: Ein Tableau, das das Beste aus den Welten von Comic und Film vereint.

Der beherzte Sprung unter den Donnerbalken in Slumdog Millonaire (Danny Boyle).

Der persische Puffbesitzer in Romuald Karmakars Beitrag zum Episodenfilm Deutschland 09.

Rachels Hochzeit von Jonathan Demme: die Geschirrspüler-Szene!

Die Streichholzbriefchen der Marke Le Boxeur, mit dem kleinen Boxer-Bild darauf, in Jim Jarmuschs The Limits of Control.

„Ich hasse dich! Ruf mich nie wieder an!“ – Birgit Minichmayr und das Kind in der ersten Szene von Alle Anderen (Maren Ade).

State of Play – Stand der Dinge von Kevin Macdonald: der Abspann in der Druckstraße, von der Seitenbelichtung bis zur fertigen Zeitung, ein Plädoyer für das gedruckte Wort, ein trauriger und trotziger Abgesang.

Das Haus mit Autobahnanschluss in Home (Ursula Meier).

Die hart arbeitenden Stars in 9 to 5 – Days in Porn von Jens Hoffmann.

Zerrissene Umarmungen von Pedro Almodovar: Wie Penelope Cruz ihren Liebhaber ansieht, lächelnd, herausfordernd, amüsiert.

Ein flacher 3D-Effekt mit unerwarteter Tiefe: das Mädchen hinter dem Fenster, an dem die Regentropfen abperlen in Coraline.

Glaube Hoffnung Liebe in Love Exposure.

Mélanie Laurent, für mich eine der Entdeckungen des Jahres, sitzt in einem Restaurant dem Mann gegenüber, der ihre Familie ermorden ließ. Er stellt Fragen, sie antwortet knapp. Er bestellt Apfelstrudel. Er fragt, ob sie ein Glas Milch möchte. Als er geht, bleibt sie allein am Tisch zurück. Dann atmet sie aus. Aber wie! (Inglourious Basterds von Quentin Tarantino, in dem es viele bleibende Momente gibt, unter anderem noch die Aschenputtel-Szene zwischen Christoph Waltz und Diane Kruger, worin der am Tatort gefundene Schuh mit einem schnappenden Geräusch ihren Fuß umschließt – was ihrem Todesurteil gleichkommt.)

Chéri: Michelle Pfeiffer, die sich beim Telefonieren gedankenverloren an der schlaffer werdenden Haut unter dem Kinn zieht.

Lars von Triers Antichrist, am Anfang: Wie die Zahnbürste in extremer Zeitlupe zart auf Charlotte Gainsbourgs Oberarm fällt und diesen in langsamen Wellen erzittern lässt. Die gesichtslosen Frauen, die über einen Hügel gehen, am Ende.

Ein ganzes Eheleben in vier Minuten und vierzehn Sekunden (Oben):

Der böse Blick des kleinen Jungen, der den Tod nicht akzeptieren will, in Das weiße Band (Michael Haneke)

Blut und Scheiße: Durst (Park Chan-wook) und Hunger (Steve McQueen)

Kapitalismus: eine Liebesgeschichte: „Don’t make any more movies“, sagt der Sicherheitsbeamte vor der Bank zu Michael Moore, als der um Rat fragt.

Großartige Kneipenszenen, Teil II: In This is Love (Matthias Glasner) sitzt die Harfouch sturzbetrunken an der Theke und singt „God help me please“.

(22 Momente 2008)

4 Antworten to “26 Momente 2009”

  1. Stefan said

    Sehr schöne Zusammenstellung, kann natürlich auch einiges unterschreiben! :-)

  2. Danke. Die Sequenz aus Oben ist IMHO eine der schönsten der Filmgeschichte…

  3. Thomas said

    Tatsächlich. Eindrückliche Momente. Erstaunlich, wie Erlebnisse, wenn sie geteilt werden, plötzlich eine universale Ebene anrühren und so den subjektiven Schleier heben, ohne ihn weg zu wehen.

  4. […] aus seinem Rückblick auf die Popmusik der Nuller. Hier ein sehr schönes Gegenbeispiel, eine wunderbare Liste von Thorsten Funke: Seine ganz persönlichen Kinomomente des Jahres 2009 (”Die Katze in […]

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