Michelle Pfeiffer

11. Februar 2009

Das erste Mal, dass ich Michelle Pfeiffer sah, war 1982 in Grease 2. Da war ich 15 und sie 24. Sie sang „Cool Rider“, spielte neben einem heute komplett vergessenen Partner ihre erste Hauptrolle und war die erste Schauspielerin, für die ich mich ernsthaft interessierte.

In den nächsten Jahren wurde aus dem Girl in einem schlechten Teenie-Musical eine der gefragtesten weiblichen Stars. Sie war schüchtern in Gefährliche Liebschaften (1989), räkelte sich divenhaft auf einem Flügel in Die fabelhaften Baker Boys (1990), sie nahm das Leben, wie es kommt in Frankie and Johnny (1991). Ab Mitte der 90-er Jahre wurde es ruhiger um sie, große Erfolge blieben aus. So dass B., ein Freund, der zehn Jahre jünger ist als ich, bei der Berlinale kein Interesse an ihrem Auftritt gestern hatte. Mit der Pfeiffer, erklärte B., könne seine Generation nicht so viel anfangen.
Das war wahrscheinlich im Scherz gesagt. Aber es ist auch wahr: Die Frau ist mittlerweile fünfzig (im April kommt noch ein Jahr dazu), also für eine Hollywood-Schauspielerin uralt. Es ist gemein, dass man kaum eine Chance hat, mit einem weiblichen Star älter zu werden, weil sie schon bald, wenn man selbst sich noch jung fühlt, anfängt von der Leinwand zu verschwinden.
Michelle-Cheri
„Ein guter Körper überdauert die Zeit“, sagt Michelle Pfeiffers Figur in Chéri, einer Art Comeback-Film (im Wettbewerb der Berlinale), der ganz um sie herum gebaut ist. Sie spielt Lea de Lonval, eine Kurtisane, die ihre besten Jahre hinter sich hat. Wobei man das Wort „Kurtisane“ durch „Schauspielerin“ ersetzen könnte, dann sieht man besser, worum es geht. Es ist zwar naheliegend, aber auch schade, dass Chéri nicht viel mehr tut, als sich die Lebenssituation seiner Hauptdarstellerin zunutze zu machen. (Und dass er sich außerdem mit der noch älteren und fülligen Kathy Bates manchen billigen Lacher erlaubt.)
Zweifellos hat Michelle Pfeiffer die Zeit gut überdauert. Ihr Kinn ist noch straff, die hohen Wangenknochen geben dem Gesicht weiterhin diese eigentümliche Struktur. Und sofort erkennt man diesen Mund wieder. Die linke Seite der Oberlippe ist ganz leicht geschwollen; ein Detail, das irritiert, weil es den Mund etwas in Schieflage geraten lässt. Da ihre Lippen zugleich voll sind, entsteht ein sinnlich-spöttischer Gesichtsausdruck, eigentlich ein Paradoxon. An der Schauspielerin Michelle Pfeiffer ist alles Gesicht. Im Gegensatz etwa zu Kate Winslet, die immer auch Körper ist.
Mit diesen einzigartigen Zügen, in einer ziemlich langen Einstellung, beendet Stephen Frears seinen Film. Man sieht die Falten. Und man will sie bald wiedersehen.

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