Berlinale – der Rest

3. Februar 2009

Irgendwie klappt das alles schon wieder nicht mit der Vorbereitung zur Berlinale. Den Wettbewerb konnte ich mir immerhin noch einigermaßen genau ansehen, für Panorama, Forum und den Rest muss die Schnellversion reichen. Was interessiert mich am Programm auf den ersten Blick?

Panorama:

Das Vaterspiel von Michael Glawogger wegen Sabine Timoteo (Der freie Wille, Gespenster)

Die Gräfin von Julie Delpy, deren Zwei Tage Paris vor zwei Jahren ich sehr mochte und der ich schon sehr lange verfallen bin – seit ich sie 1990 in Schlöndorffs Homo Faber gesehen habe. Genauer gesagt ist sie das einzige, was mir von diesem Film in Erinnerung geblieben ist. In Die Gräfin spielt sie eine Frau im 17. Jahrhundert und gibt sich leider – den Fotos nach zu urteilen – sehr zugeknöpft.

Just Walking von Agustín Díaz Yanes. Den hätte ich bestimmt übersehen, wären die Kollegen von critic.de (dort auch noch weitere Tipps, vor allem zum Forum) nicht so nett gewesen, ihn mit sehr warmen Worten zu empfehlen. Es geht um weibliche Gangster.

Wie ein vertrauter Name aus vergessener Zeit taucht Uli Lommel im Programm auf. Den kenne ich als Fassbinder-Schauspieler. In Absolute Evil geht es laut Pressetext um „Mord, Rache, Sühne und Vergebung“. Sein (Video-)Film davor hieß Killer Nurse. Mal sehen.

Forum:

Goethes Wahlverwandtschaften zählt zu meinen Lieblingsbüchern, die Adaption von Sebastian Schipper unter dem Titel Mitte Ende August steht deshalb auf meiner Liste.

Der koreanische Film My Dear Enemy von Lee Yoon-ki steht drauf, weil ich mich dunkel positiv an sein This Charming Girl erinnern kann, der 2005 im Forum zu sehen war.

Jetzt habe ich schon so viel von diesem neuen Genre namens „mumblecore“ gehört, da muss ich mir Andrew Bujalskis Beeswax unbedingt ansehen. Ich mag es ja, wenn auf der Leinwand viel geredet wird, wenn es auch nur Nuscheln ist.

Hans Christian Schmids Die Wundersame Welt der Waschkraft erstens wegen Hans Christian Schmid und zweitens, weil mich wirklich interessiert, was mit der ganzen dreckigen Wäsche passiert.

Retrospektive:

Die Retro hat dieses Jahr keine thematische oder personelle Klammer, sondern eine technische: zu sehen sind ausschließlich 70mm-Filme. Deshalb sind Historienschinken wie Ben Hur und Kleopatra dabei. Nicht sehr aufregend und außerdem häufig in extremer Überlänge, aber die seltene visuelle Erfahrung im Kinosaal dürfte darüber hinweghelfen. Sehen will ich den Lieblingsfilm von Wall-E, Hello Dolly (Regie: Gene Kelly!). Ein Wiedersehen mit Lawrence von Arabien im Großformat kann auch nicht schaden. Kubricks 2001 dürfte für viele eine Offenbarung werden – auf der Riesenleinwand ist das ein ganz anderer Film (ich habe diese Kopie 2001 bei der Wiederaufführung im Kino International in Berlin gesehen – großartig!). Jacques Tatis Playtime ist wegen seiner völlig abgefahrenen Studiobauten ebenfalls interessant.

***

Rudolf Thomes neuer Film (mit Hannah Herzsprung) läuft im Berlinale Special Programm (das im übrigen zu der immer schlimmer werdenden Unübersichtlichkeit des Festivals beiträgt). Thome ist mir meist als Begleiter der 68er begegnet (Uschi Obermaier als Männer mordende WG-Bewohnerin in Rote Sonne!). Aber natürlich hat er seitdem kontinuierlich sehenswerte Filme gedreht. Pink nun handelt von einer Dichterin und ihrer merkwürdigen Art, Entscheidungen zu treffen. Ebenfalls im Special Programm: Effi Briest von Hermine Huntgeburth, interessiert mich wegen der Vorlage von Fontane und wegen der Fassbinder-Verfilmung. Die Befürchtung nach einem neuen Buddenbrooks liegt nahe, aber erste Kritiken klingen gut.

Eine gute Gelegenheit, Bildungslücken zu schließen wäre Eccentricities of a Blonde-haired Girl von Manoel de Oliveira (von dem Portugiesen habe ich noch keinen einzigen Film gesehen), sowie Theo Angelopoulos‘ neuer Film Der Staub der Zeit, der außer Konkurrenz im Wettbewerb läuft. Wahrscheinlich werde ich auf beide aber verzichten. Bin nicht in Altmeister-Stimmung.

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