Berlinale – der Wettbewerb

16. Januar 2009

Es sind noch 20 Tage bis zur Berlinale. Zeit, sich das Programm etwas näher anzusehen. Mit dem Wettbewerb geht es los, Beiträge zum Panorama und zum Forum folgen.

Alleanderen

Alle Anderen (Bild: Komplizen Film) ist der zweite Film von Maren Ade, die mit dem spröden, aber sehenswerten Der Wald vor lauter Bäumen vor mittlerweile sechs Jahren Aufsehen erregte. Damals ging es um eine naiv-engagierte Lehrerin an einer Realschule, dieses Mal um zwei Paare und ihre Krisen. Neues deutsches Realismuskino.

Weitere deutsche Filme: Ein Muss ist Hans-Christian Schmids Sturm über das Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien. Erfreulicherweise ist auch der Drehbuchautor von Requiem, Bernd Lange, wieder dabei. Und dann gibt es noch Deutschland 09, einen Omnibusfilm, an dem 13 deutsche Regisseure beteiligt sind, und zwar so unterschiedliche wie Angela Schanelec, Dominik Graf, Fatih Akin und Wolfgang Becker. Solche Experimente können nie ganz gut gehen, aber oft gibt es genug sehenswerte Beiträge, um das Ganze zu genießen.

Rachid Bouchareb dürfte hierzulande nur wenigen bekannt sein, weil sein Tage des Ruhms nur auf DVD herauskam. Das Drama um vier Berber, die im Zweiten Weltkrieg für Frankreich kämpfen, ist aber sehr gut, weswegen London River über die Anschläge vom 7. Juli 2005 in London fest ins persönliche Programm kommt.

Um endlich einmal wieder Michelle Pfeiffer zu sehen, führt auch kein Weg an Stephen Frears‘ Cheri vorbei. In diesem Fall muss ich gar nicht wissen, worum es da geht. Michelle reicht völlig.

Einige weitere wohlbekannte Namen tauchen in der Liste auf: Interessant dürfte werden, wohin sich François Ozon entwickelt, nachdem er mit Angel zuletzt ironisch schwülstig wurde. In Ricky geht es wohl irgendwie um ein Baby mit Superkräften. Der Trailer:

Bertrand Taverniers In the Electric Mist wird in den USA im März als Straight-to-DVD veröffentlicht, was nicht gerade so klingt, als tauge die Verfilmung eines Romans von James Lee Burke etwas. Da haben wohl auch Tommy Lee Jones und John Goodman nicht geholfen.

Über Andrzej Wajdas Tatarak ist kaum etwas herauszufinden, außer dass er in den 50er Jahren spielt und auf einer Erzählung von Jaroslaw Iwaszkiewicz beruht. Darin verliebt sich eine Frau in einen Mann, der sie an ihren verstorbenen Sohn erinnert. In der IMDB ist der Film noch gar nicht gelistet. Wajdas Geschichtslektion Katyn vom letzten Jahr kenne ich nicht, kann mich aber an durchwachsene Kritiken erinnern. Aber immerhin ist der Pole einer der renommiertesten europäischen Regisseure, wie auch die nächsten beiden:

Dass Costa-Gavras noch Filme macht, wusste ich gar nicht. Oder hatte es vergessen. Eden is West handelt von illegalen Immigranten in der EU, und wenn dieser Altmeister („Z“! „Missing“!) sich eines solchen Themas annimmt, dann kann das was werden.

Mit den Filmen von Theo Angelopoulos bin ich bisher noch nicht warm geworden, vielleicht wäre The Dust of Time mal wieder einen Versuch wert, das zu ändern. Gleiches gilt für Sally Potter, deren Tango Lesson ich damals furchtbar fand. Ihr neuer Film Rage klingt wie Cloverfield ohne Monster, dafür mit Laufsteg. Er spielt in der Modewelt und ist ebenfalls mit kleiner Handkamera gedreht. Die Plot-Prämisse lautet, dass ein Schüler hinter den Kulissen einer Modenschau eine amateurhafte Dokumentation dreht – und dann passiert ein Mord.

Als obligatorischer Chinese ist Chen Kaige dabei. Das ist der, der vor 16 Jahren in Cannes eine Goldene Palme für Lebewohl, meine Konkubine gewann und der vor drei Jahren mit Wu Ji – Reiter der Winde eine überteuerte Fantasy-Albernheit drehte. Forever Enthralled nun ist ein Biopic über Mei Lanfang (gest. 1961), den wohl berühmtesten Star der Peking-Oper.

Kommen wir zu den USA. Vor zwei Jahren lief im Panorama Teeth von Mitchell Lichtenstein, ein sehr vergnüglicher Film über ein Mädchen, deren Vagina Zähne hat – und sie auch zu benutzen weiß. Lichtenstein hat es nun mit Happy Tears in den Wettbewerb geschafft. Independent-Beauty Parker Posey (yeah!) und Demi Moore (hmm?) spielen Schwestern, die ihren Vater pflegen. Nach Auskunft des Regisseurs ein „comedy drama“, das keine Ähnlichkeit mit Teeth aufweist.

Notorious von George Tillman Jr. ist ein Biopic über einen Gangsta-Rapper und interessiert mich wegen seines Themas nicht sonderlich. Die US-Kritiker sind aber durchaus angetan. Es gibt aber auch kräftige Verrisse.

Robin Wright Penn, Alan Arkin, Keanu Reeves, Maria Bello, Julianne Moore, Winona Ryder – eine ganz schöne Star-Reihe, die da in The Private Lives of Pippa Lee mitspielt. Regisseurin Rebecca Miller (The Ballad of Jack and Rose, der von der Kritik vor drei Jahren so lala aufgenommen wurde) verfilmt ihren eigenen Roman. Ich will nicht vorschnell urteilen, aber das klingt wie braves Starkino mit Tränengarantie. Über das Buch schreibt ein Leser bei amazon.com:

„I thoroughly enjoyed this book for many reasons. It offered insight to a woman who seems a little lost in her own life, being married to a successful man many years her senior and whose children are grown and gone.“

Ein Debütfilm ist The Messenger, der derzeit auch auf dem Filmfestival von Sundance läuft – mal abwarten, was die US-Presse zu berichten hat. Der Film handelt von einem Heimkehrer aus dem Irakkrieg. Ben Foster als Hauptdarsteller ist schon mal interessant. Ebenfalls um die Heimkehr eines Soldaten dreht sich Little Soldier von der Dänin Annette K. Olesen, die schon mehrmals auf der Berlinale zu Gast war.

Aus Schweden kommt Lukas Moodysson, dessen melancholische Hippie-Komödie „Zusammen“ von 2000 mir noch in guter Erinnerung ist. Den so gar nicht lustigen Lilja-4-Ever sowie Fucking Amal habe ich nicht gesehen, aber jeweils Gutes von gehört. In Mammoth (Gael García Bernal spielt mit!) scheint es auch eher ernst zuzugehen. Das Ganze erinnert in seiner Ausgestrecktheit über mehrere Kontinente an Alejandro González Iñárritus „Babel“. Die IMDB-Zusammenfassung, danach der Trailer:

„While on a trip to Thailand, a successful American businessman tries to radically change his life. Back in New York, his wife and daughter find their relationship with their live-in Filipino maid changing around them. At the same time, in the Philippines, the maid’s family struggles to deal with her absence.“


Von Asghar Farhadi habe ich bisher noch nichts gesehen, aber in iranische Filme gehe ich immer. Darbareye Elly erzählt die Geschichte eines Iraners, der nach Jahren in Deutschland in seine Heimat zurückkehrt.

Komplett unbekannt ist mir Adrián Biniez, der vor seinem Wettbewerbsbeitrag Gigante nur zwei Kurzfilme gedreht hat. Das ist ein ziemlich steiler Aufstieg, vielleicht lauert hier eine Entdeckung? Die Synposis, die ich irgendwo in den Tiefen des Internets finden konnte, lautet so:

„Jara, a big and shy supermarket security guard, discovers a cleaning woman through the surveillance cameras and falls in love with her. Soon, Jara’s life starts to turn into a series of rituals and routines around the woman and the desire to get to know her.“

Peter Strickland kenne ich auch nicht, was nicht weiter verwunderlich ist, denn Katalin Varga (Infos hier) ist sein Debütfilm. Bekannter ist Claudia Llosa. Sie legt mit La Teta Asustada – übersetzt heißt das: Die ängstliche Brust, gemeint ist eine mysteriöse Krankheit, die Mütter auf ihre Töchter übertragen – ihr zweites Werk nach dem preisgekrönten Made in USA vor.

Der Vorleser ist Standard-Hollywood und kommt kurz nach der Berlinale regulär ins Kino, Pink Panther II mit Steve Martin ist vermutlich die Steigerung von Pink Panther I und wäre somit ganz gruselig schlecht.

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Eine Antwort to “Berlinale – der Wettbewerb”

  1. […] Februar 2009 Irgendwie klappt das alles schon wieder nicht mit der Vorbereitung zur Berlinale. Den Wettbewerb konnte ich mir immerhin noch einigermaßen genau ansehen, für Panorama, Forum und den Rest muss […]

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