Golden Globes 2009

12. Januar 2009

Bis zum Schluss habe ich dann doch nicht durchgehalten. Bei den Oscars mache ich das ja fast jedes Mal, wenn ich den Folgetag arbeitsfrei schaufeln kann, aber bei den Globes ist der erste Versuch in die Hose gegangen. Als klar war, dass gottseidank nicht der Baader-Meinhof-Komplex bester ausländischer Film wird, sondern Waltz with Bashir, ging ich ins Bett.

Prokino

Ein Film, den (fast) jeder mag: Slumdog Millionär gewann vier Golden Globes, darunter den für den besten Film. Foto: Prokino

Und viele Überraschungen kamen dann ja auch nicht mehr. Slumdog Millionär ist nun endgültig mit vier Globes, darunter der für den besten Film, der Oscar-Favorit. Das liegt zum einen an den publikumsbeglückenden Eigenschaften des von Danny Boyle (ebenfalls ein Globe als Regisseur) rasant inszenierten Films: Armer indischer Junge gewinnt bei der indischen Ausgabe von „Wer wird Millionär?“. Und es gibt sogar ein Happy End! Zum anderen liegt es daran, dass der Film nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit keine Schauspieler-Oscars gewinnen kann: Er ist ausschließlich mit Indern besetzt, die in den USA niemand kennt.
Er wird also, da bin ich mir ziemlich sicher, den Oscar für den besten Film erhalten und womöglich, wie auch bei den Globes, den für das beste Drehbuch, weil eine aufgesplittete Zeitachse mit vielen Rückblenden und motivischen Verkettungen für Academy-Verhältnisse als ausgemacht innovativ gelten dürfte. Aber in diesem Fall dann auch nicht so innovativ wie vor 15 Jahren Tarantinos Pulp Fiction, der ja damals bekanntlich gegen Forrest Gump verlor, einen Film, der durchaus mit Slumdog vergleichbar ist. Nur dass nicht Tom Hanks auf einer Parkbank sitzt und sein Leben erzählt, sondern dieser junge sympathische Inder auf einer Polizeistation. Beide Figuren rutschen irgendwie wie von selbst in ihr Unglück, Glück, nochmal Unglück und schließlich wieder Glück (bei Slumdog sogar noch mehr Glück, Gump war dann ja doch traurig am Schluss, wenn ich mich recht entsinne).
Die beiden Golden Globes für Kate Winslet (einmal Hauptrolle, einmal Nebenrolle) gehen schon vom Prinzip her in Ordnung, obwohl ich weder Zeiten des Aufruhrs noch Der Vorleser bisher gesehen habe. „Thank you so much. Oh. My God. Thank you so much“, stammelte sie zum Dank. Hach, ich mag sie einfach sehr. Sally Hawkins als beste Schauspielerin in der Sparte Komödie für Happy-Go-Lucky war nichts weniger als zwingend. Bei jeder anderen Entscheidung hätte ich den Fernseher schon eine Stunde früher ausgemacht und wäre heute morgen wenigstens einigermaßen ausgeschlafen gewesen. Ihre Dankesrede in einem schwarzen ärmellosen Kleid geriet ausgesprochen knuffig:


In einer idealen Welt wäre Happy-Go-Lucky auch zur besten Komödie gekürt worden. Aber bei Woody Allen ist der Preis für Vicky Cristina Barcelona auch gut aufgehoben.
Heath Ledger posthum für The Dark Knight als Nebendarsteller klingt auch nicht gerade wie eine umstrittene Entscheidung. Und dass Mickey Rourke als bester Schauspieler für The Wrestler geehrt werden musste, war mir, der ich den Film noch nicht kenne, spätestens klar, als ich seine Dankesrede sah: „I was almost out of this business“, sagt er wahrheitsgetreu, und seinem Produzenten dankt er, weil der den undankbaren Job hatte, mit Rourkes Namen Geld zusammenzubringen. Und dann sagt er noch: „I’d like to thank my dogs.“ (kann man bei NBC ansehen, dort auch noch einige andere Reden, u.a. die weinende Kate Winslet.). Die Auszeichnung für Wall-E in der Sparte Animation schließlich war die zwar richtige, aber auch am wenigsten überraschende in dieser Folge von wenig überraschenden Auszeichnungen. Mich dünkt, auch die Oscars werden vorhersehbar, was immerhin meine Trefferquote beim Tippen erhöhen dürfte. Und dann, am 22. Februar, werde ich auch wachbleiben.

(Und dann war da noch Tina Fey, auch in Deutschland bekannt als Sarah-Palin-Parodistin, die in ihrer Dankesrede von „diesem Ding, das man Internet nennt“ sprach und von ihren harschen Kritikern, die sich dort tummelten. Der Hintergrund dazu wird bei Slashfilm.com erklärt.)
Und der Vollständigkeit halber noch die komplette Liste aller Gewinner und Nominierten: Golden Globes 2009.

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