Die Woche auf Zelluloid

15. Dezember 2008

Über Valkyrie ist bereits so viel geschrieben worden innerhalb der vergangenen eineinhalb, zwei Jahre, dass man jetzt, wo das Internet die ersten Kritiken aus den USA anschwemmt, kaum noch geneigt ist, etwas darüber zu lesen. Alle – bis auf wenige Ausnahmen – haben ohnehin schon beschlossen, dass der Film furchtbar ist, warum zum Donnerwetter also sollte man ihn sich auch noch ansehen?

UA

Auf einem Auge blind? Die ersten Kritiken zu Valkyrie sind besser als erwartet. Foto: UA

Umso überraschender ist es, wenn der so überzeugte potenzielle Nicht-Zuschauer mit zwei Sätzen wie 

„Tom Cruise is fine. The movie is fun.“

daran erinnert wird, dass man ja überhaupt keine Ahnung hat, nicht haben kann; und dass die Abneigung gegen die Wir-sind-wieder-wer-Rhetorik von Frank Schirrmacher oder Florian Henckel von Donnermarck noch keine Meinungsbildung darstellt. Aber auch Anne Thompson von Variety, von der die zitierten Sätze stammen, malt ein eher pessimistisches Bild über die Erfolgsaussichten des Films (was wiederum auch kein Urteil über dessen Qualität darstellt):

„In today’s marketplace, though, it becomes clear that it’s harder than ever to take the risk that an expensive period epic like this will work with audiences.“

Auch andere Kritiken sind eher positiv als negativ. „A coolly efficient, entertaining and straightforward tale“, schreibt der Hollywood Reporter. Aus „cool“ wird „cold“, womit wir auch noch eine deutlich negative Stimme zitieren wollen, erneut aus Variety, dieses Mal von Todd McCarthy: „A cold work lacking in the requisite tension and suspense“. Die New York Times fasst anlässlich des US-Starts am ersten Weihnachtsfeiertag noch einmal die schwierige, von Rückschlägen gezeichnete Produktionsgeschichte zusammen. Deutscher Starttermin ist der 22. Januar 2009.

Zurzeit schreibe ich an einer Kritik über Twilight – Biss zum Morgengrauen, das ist diese Verfilmung der Teenager-Vampir-Romane von Stephenie Meyer. Von dem enormen Erfolg des Films in den USA war an dieser Stelle bereits die Rede. Da ich weder 15 noch weiblich bin, in Wahrheit von beiden Indikatoren sogar denkbar weit entfernt, gehöre ich natürlich überhaupt nicht zur Zielgruppe. Ein Verriss von einem Gammelfleisch-Schreiberling mag also nicht wirklich zählen. Dennoch sei hier bereits die Empfehlung ausgesprochen, sich den Film nicht anzusehen und folglich nicht die unterschwellige Botschaft über Enthaltsamkeit und zu vermeidenden vorehelichen Sex zu inhalieren. Es reicht völlig, folgendes Video anzuklicken, in dem die gesamte Geschichte mit Puppen nachgespielt wird, was deutlich amüsanter ist als das Original:

Noch ein paar Links zum Abschied: Variety (schon wieder!) hat mit einigen Online-Filmkritikern gesprochen, darunter Karina Longworth von Spout, und macht sich Gedanken darüber, ob man mit so etwas Geld verdienen kann (nein, kann man eher nicht).

Das deutsche Blog The Wayward Cloud schreibt ausführlich und lesenswert über eine Filmreihe zu bizarrem Kino, billig hergestellte Filmtricks und den Charme von zigfach durchgenudelten Kopien, die in erbärmlichem Zustand sogar den Reflexionsgrad der Zuschauer erhöhen:

„Letztes Jahr bei einer Vorführung von Infra Superman hat das ausverkaufte Haus bei jedem der mitgezählten acht Filmrisse frenetisch applaudiert. Das hat viel mit dem gemeinschaftlichen Aspekt des Schauens im Kino zu tun, wo sich die Emotionen gegenseitig verstärken, vielleicht aber auch mit einer Wiederkehr der Magie des Kinos im Sinne von Bava, als Innewerden der Tatsache, dass nicht nur der Film von Händen geschaffen ist, sondern auch seine Vorführung, bei deren Unterbrechung der arme Kerl oben in seiner Kabine schnell eine Lösung finden muss, damit die Illusion nicht allzu lange unterbrochen wird. Brüche, Lücken, Schnitte zeichnen nicht nur viele Kopien bei Bizarre Cinema aus, sie sind auch ein wesentliches Kennzeichen der Filme, die im Rahmen der Reihe laufen.“

Mit den Nominierungen für die Golden Globes und den Preisen weiterer Kritikerorganisationen (nach dem National Board of Review und den Washingtoner Filmkritikern kamen in der vergangenen Woche noch die Kritikerorganisationen in Los Angeles und New York dazu, und jetzt noch ganz frisch das American Film Institute und die Bostoner Kritiker) ist das Oscar-Vorhersage-Geschäft mittlerweile in vollem Gange. Wie immer waren viele der Filme hierzulande noch nicht zu sehen, weswegen ich mir eine Interpretation der Auswahl schenken muss und stattdessen auf einen so ausführlichen wie informativen wie komplizierten Kristallkugel-Artikel im Time Magazin verweise. 

Und bei der Berlinale tut sich auch was, es sind nämlich die ersten Wettbewerbsfilme bekannt gegeben worden. Ich bin besonders gespannt auf den bisher einzigen deutschen Beitrag: Alle Anderen, das ist der zweite Film von Maren Ade (Der Wald vor lauter Bäumen).

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