Die Woche auf Zelluloid

8. Dezember 2008

Das Ende des Jahres naht, und wir Cinephilen – oder zumindest diejenigen von uns mit einem Faible fürs Buchhalterische – legen Listen an. Ich selbst bin noch im Stadium des Durchzählens: Von den 2008 in Deutschland angelaufenen Filmen habe ich bisher 85 gesehen; einige werden noch dazukommen, aber im großen und ganzen ist das Jahr vorbei. Und nach Auffassung von Roger Ebert war es ein ungewöhnlich gutes Jahr, weshalb er sein bisheriges Schema der zehn besten Filme aufgibt:

„In these hard times, you deserve two ‚best films‘ lists for the price of one. It is therefore with joy that I list the 20 best films of 2008, in alphabetical order. I am violating the age-old custom that film critics announce the year’s 10 best films, but after years of such lists, I’ve had it. A best films list should be a celebration of wonderful films, not a chopping process. And 2008 was a great year for movies, even if many of them didn’t receive wide distribution.“

Einer von denen, die keine große Aufmerksamkeit erfuhren, ist Ballast von Lance Hammer, den ich auf der vergangenen Berlinale gesehen habe und der es auf Eberts Liste schaffte. Falls dieser großartige Film doch noch mal irgendwann in Deutschland anlaufen sollte: Reingehen!
In der aktuellen Sight&Sound, die Ende vergangener Woche im Briefkasten lag, listen 50 Kritiker auf 13 Seiten 150 Filme auf. Am häufigsten genannt wird Hunger von Steve McQueen, aber der Artikel ist nicht online. Dafür gibt es auf der S&S-Webseite aber eine Liste mit den besten DVDs des Jahres. Auf der Top-10-Liste des Time Magazins steht Wal-E ganz oben. Und auch der großartige Anthony Lane vom New Yorker hat sich Gedanken gamacht, ebenfalls sein Kollege David Denby. Und um diese Listen-Liste abzurunden, sei zum einen auf Greencine verwiesen, wo noch mehr Listen gelistet werden, und zum anderen auf die enttäuschendsten Filme des Jahres, zusammengestellt vom Spoutblog. Keiner der dort genannten, darunter Oliver Stones W. und The Curious Case of Benjamin Button von David Fincher, ist bisher in Deutschland gelaufen.

Es sieht ganz so aus, als müsste man als Deutscher auch die Oscar-Verleihung am 22. Februar wieder aus dem Tal der Ahnungslosen verfolgen. Slumdog Millionaire, der hier erst am 19. März anläuft, zeichnet sich zaghaft als Favorit ab: Danny Boyles Wohlfühl-Film ist sowohl vom National Board of Review als auch von den Washingtoner Filmkritikern als bester Film ausgezeichnet worden. Das heißt natürlich noch gar nichts, aber immerhin haben beide Verbände im vergangenen Jahr auf No Country for Old Men gesetzt, der dann ja auch gewann. Noch ein paar Oscar-Meldungen:

  • Wie Variety meldet, wurden die Regeln für die Auswahl der Nominierungen zum Fremdsprachen-Oscar geändert. Dadurch soll verhindert werden, dass die Akademiemitglieder wichtige Filme übersehen. Dem soeben mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichneten Gomorrha könnte also das Schicksal von 4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage (Europäischer Filmpreis 2007) erspart bleiben, der im vergangenen Jahr zum Erstaunen wirklich aller Kritiker und Zuschauer nicht nominiert wurde.
  • Von den Schwierigkeiten, eine Werbekampagne für einen Film zu organisieren, dessen aussichtsreichster Anwärter auf einen Schauspieler-Oscar tot ist, berichtet die Los Angeles Times.

Links:
Glenn Kenny veräppelt sehr amüsant schematische Filmkritken, Pilgrim Akimbo zeigt Screenshots aus Chinatown und weist den goldenen Schnitt nach, Kristin Thompson war in Petra (Jordanien) und sah in jeder Sehenswürdigkeit eine Filmkulisse (Indiana Jones! Lawrence von Arabien!).

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