Die Woche auf Zelluloid

17. November 2008

+++ Heute über Anna Maria Mühe, Hardware-Spieleverfilmungen, das Filmfördergesetz, Danny Boyles Slumdog Millionaire und die letzte Bastion des Männerberufs +++

Anna Maria Mühe in Novemberkind

Sehenswert: Anna Maria Mühe in Novemberkind. Bild: Schwarzweiss-Filmverleih

Auch wenn immer noch alle Leute in den neuen Bond Quantum of Solace rennen und der Film nun auch an seinem US-Startwochenende an die Spitze gestürmt ist – es wird Zeit, ein paar Alternativen für den Kinoabend aufzuzeigen. Warum nicht gleich ein Kontrastprogramm? Am Donnerstag läuft Novemberkind von Christian Schwochow an, meine Empfehlung der Woche. Anna Maria Mühe, die nun endlich ein neuer deutscher Star werden dürfte, spielt eine junge Frau in Mecklenburg, die lange nach der Wende die Wahrheit über ihre tot geglaubte Mutter erfährt. Drüben bei critic.de erkläre ich, warum der Film so toll ist, und der Tagesspiegel hat ein schönes, sensibles Porträt der Schauspielerin. Der Artikel ist mit „Im Schatten der Eltern“ überschrieben, weil die 23-Jährige die Tochter von Ulrich Mühe und Jenny Gröllmann ist. Das Schauspielerehepaar war wegen der Stasi-Vorwürfe Mühes gegen seine Ex-Frau aufs Unschönste zerstritten. Beide sind in den vergangenen Jahren kurz hintereinander gestorben. 

Man hat sich daran gewöhnt, dass aus Videospielen Filme gemacht werden. Jüngstes Beispiel ist Max Payne, der ebenfalls am Donnerstag anläuft und keineswegs eine Empfehlung ist (was nicht heißen soll, dass mein Interview mit Hauptdarsteller Mark Wahlberg nicht sehr lesenswert ist. Darin verrät er nämlich, dass er gerne Jesus gespielt hätte. Also im Film. In Mel Gibsons Die Passion Christi, um genau zu sein). Ein Computerspiel zu verfilmen, mag sich Ridley Scott gedacht haben, das kann doch jeder. Die wahre Herausforderung ist, nun ja, ein Brettspiel. Wie Variety meldet, macht Scott den Anfang und führt bei Monopoly Regie. Bevor jemand lacht: Wer weiß, Monopoly könnte der richtige Film zur richtigen Zeit sein. Sagte da jemand „Finanzmarktkrise“? Nichts macht mehr Spaß, als wenn der Besitzer der Parkstraße pleite geht.

Etwas untergegangen ist in der vergangenen Woche die Nachricht von der Novellierung des Filmfördergesetzes. Es sieht nun eine stärkere finanzielle Förderung von Drehbuchautoren vor, außerdem gibt es Entlastungen für die Kinos. Auch die Opposition im Bundestag befand das Gesetz im Großen und Ganzen für gut, bemängelte aber unter anderem, es fehle eine gesonderte Förderung für Regisseure. Kulturstaatsminister Bernd Neumann hob zudem hervor, erstmals würden soziale Mindeststandards in der Filmbranche berücksichtigt. Künftig muss die Filmförderanstalt nämlich die Belange der Beschäftigten in der Filmwirtschaft unterstützen. So weit, ein Projekt nur dann zu fördern, wenn die soziale Absicherung der Beschäftigten garantiert ist, ging man dann aber doch nicht. Ein weiterer interessanter Punkt liegt in der Verkürzung der Sperrfristen für die Weiterverwertung von Filmen. Was das für uns Couchpotatoes bedeutet, erklärt der Tagesspiegel.

Noch ein paar Links: Frauen sind heutzutage Anwältinnen, Managerinnen, Bundeskanzlerinnen und sogar Soldatinnen – aber eine einsame Bastion des Männerberufs gibt es noch: den Erzähler von Filmtrailern.

A propos Filmtrailer: Der von dieser Woche ist Slumdog Millionaire gewidmet, dem neuen Film von Danny Boyle (Sunshine, 28 Days Later). Gerade in den USA angelaufen, haben die Kritiker dort ihn gleich ins Herz geschlossen. Umso erfrischender, wenn es auch widerstrebende Meinungen gibt, wie zum Beispiel diese hier. In der Tat fühlt das feel-good-movie sich aus der Ferne etwas fischig an. Aber abwarten, in Deutschland startet der Film erst am 19. März 2009.

Wie Deutschlandradio Kultur meldet, ist reines Amerika-Bashing den Russen dann doch zu doof. Der von der Regierung in Moskau mitfinanzierte Film „Tschuschije“ (Der Fremde) ernte Verrisse, weil er Amerika ganz platt als dumm und abgestumpft darstelle – ganz so, wie während des Kalten Krieges Hollywood auf Russland zu blicken pflegte.

Dieser Essay von John Powers bettet Star Wars im Stil von „Zwillinge bei der Geburt getrennt“ in die Kulturgeschichte ein. Das ist nicht nur inhaltlich lesenswert, sondern auch eine der schönsten Veröffentlichungen, die sich der Mittel des Internet bedienen. (via daily.greencine.com)

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