Obama oder McCain? Kevin Cline oder Harrison Ford?

4. November 2008

Es wird eine lange Nacht. Wenn es gut läuft und einer der beiden US-Präsidentschaftskandidaten einen hohen Vorsprung hat, ist die Wahl womöglich schon gegen halb drei morgen früh entschieden. Aber auch bis dahin sind es viele Stunden, die kein vernünftiger Mensch ununterbrochen CNN sehen möchte. Was passte also besser, als sich die Zeit mit einigen US-Präsidenten-Filmen zu vertreiben? Schließlich waren schon jede Menge amerikanische Schauspieler aus der A-Riege in dieser Rolle zu sehen. Von Actionfilm über die romantische Komödie bis zum politischen Lehrstück ist alles dabei. Die meisten Präsidentenfilme entstanden übrigens in den 90-er Jahren – Bill Clinton hat offenbar die Fantasie angeregt.

Anhänger von John McCain bevorzugen vermutlich Harrison Ford als nett aussehenden, aber kräftig zuschlagenden Herrscher der freien Welt in Air Force One (1997). Wenn die Republikaner Grund zur Traurigkeit haben sollten, können sie sich mit Bill Pullman in Independence Day trösten (1996). Da setzt er sich gleich selbst ins Cockpit eines Kampfjets und lässt sich auch von außerirdischen Tentakeln nicht abschrecken. Ganz anders als Jack Nicholson, dessen Präsident in Mars Attacks (1996) für die Marsmännchen nur eine Witzfigur abgibt. Wenig später gab es jede Menge Change und mit Morgan Freeman in Deep Impact (1998) zog schon zehn Jahre vor Obama ein Schwarzer ins Weiße Haus ein.

Morgan Freeman als US-Präsident in Deep Impact.

Nein, das ist nicht Barack Obama während seiner sechsten Amtszeit: Morgan Freeman als US-Präsident in Deep Impact.

Gene Hackman war auch schon einmal Präsident der Vereinigten Staaten. In Absolute Power (1997) vergewaltigte er eine Frau und wurde von Clint Eastwood zur Strecke gebracht. Man kann also wirklich nicht behaupten, Hollywood hätte sich der Einsicht versperrt, dass im Oval Office zuweilen auch mal richtige Arschlöcher residieren können. Michael Douglas in Hallo, Mr. President (1995) wiederum hüpft durch eine belanglose romantische Komödie und zeigt die menschlichen Seiten des mächtigsten Mannes der Welt.

Für halbwegs ernsthaft an amerikanischer Geschichte Interessierte wäre Oliver Stones Nixon (1995) zu empfehlen, mit Anthony Hopkins. Oder natürlich – und hier verlassen wir endlich aber nur vorerst die offenbar in Sachen Präsidenten-Film besonders fruchtbaren 90-er Jahre – Henry Fonda als John Fords Young Mr. Lincoln (1939). Den vielleicht sogar zu allererst, denn der Charme und der Witz, der Lincoln hier zugeschrieben wird (wunderbar ist eine Szene im Gerichtssaal, mit ihm als Anwalt), erinnert phänomenal an Obamas Charisma.

Unfähige Trottel gab es auch – äh, natürlich nur im Film, das ist klar, nicht wahr? – wie den von Jack Warden gespielten Präsidenten in Willkommen Mr. Chance (1979), der die Gartenweisheiten des geistig zurückgebliebenen Peter Sellers für geniale Einsichten zur Wirtschaft hält. Eine direkte Linie führt von diesem Film zu Dave (1993). Darin springt Kevin Kline als Doppelgänger für den erkrankten Präsidenten ein und krempelt erst einmal den gesamten Staatshaushalt um. Die Militärausgaben gehen nach unten, die Arbeitslosigkeit auch, und Amerika ist ein besseres Land. Change, eben. Das wäre dann der Film für die Obama-Fans, falls es für die nicht gut läuft. Aber das wollen wir nicht hoffen.

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