Die Woche auf Zelluloid

3. November 2008

+++ Heute u.a. über Joaquin Phoenix, Gerard Damiano, den Tag, an dem die Erde stillstand, den Propheten Muhammad und über die Frage, warum Star Wars: Secrets of the Rebellion noch ein bisschen länger in der Postproduktion bleiben dürfte +++

Ein junger Mann gibt seinen Beruf auf, und weltweit brechen Herzen:

„war heut im mediamarkt und hab mir dort die dvds angeguckt…und da sind mir gleich ein paar von joaqs filmen vor die augen gehuscht… da bin ich gleich in erinnerungen geschwelgt…als ich mir seine filme alleine im kino angeschaut hab damit ich mich nur auf ihn konzentriere und niemand neben mir rumlabert…als ich mich bei ‚helden der nacht‘ vor aufregung mitten im film übergeben musste…und das soll jetzt ein ende haben…???!!!“

Auch wenn man nicht unter solch herzzerreißenden Verlustängsten leidet wie die Jungs und Mädels in den Fanforen für Joaquin Phoenix: Dass der Schauspieler nicht mehr schauspielen will, ist ein herber Verlust. Nachdem die Nachricht schon ein paar Tage durchs Web gewandert war, hat Phoenix am Wochenende bestätigt, er werde künftig nur noch Musik machen. Das kann er auch nicht schlecht, wie man in Walk the Line sehen konnte. Aber schade ist es trotzdem.

Joaquin Phoenix in Walk the Line

Good-bye, so long, auf Wiedersehen: Joaquin Phoenix in Walk the Line

Joaquin Phoenix war auf melancholische, vom Leiden zerrissene Rollen spezialisiert. In 8MM etwa bewahrte er als Sex-Shop-Angestellter (der, nebenbei bemerkt, musikalische Ambitionen mit einer Band verfolgt – im Drehbuch des Lebens würde man das wohl forshadowing nennen) inmitten des Porno- und Snuff-Film-Sumpfes eine verletzliche Würde. Und in Gladiator (2000) war er ein so grausamer wie sensibler Kaiser. Wirklich auf dem Schirm hatte man ihn seit To Die For (1995), wo er neben Nicole Kidman spielte, aber Phoenix stand schon – wie seine Geschwister – als Kind vor der Kamera. Besonders wohl scheint er sich damit aber nie gefühlt zu haben, denn es ist nun schon das dritte Mal, dass er sich von seinem Beruf zurückzieht. Ende der 80er Jahre legte Phoenix eine mehrjährige Pause ein, um durch Südamerika zu reisen, und 1993, als sein Bruder River (My Own Private Idaho) starb und eine gewaltige Welle der Medienaufmerksamkeit über die Familie rollte, wollte Joaquin ebenfalls aufhören (konnte später aber von Freunden überredet werden, eben jene Rolle in To Die For anzunehmen). Wer weiß, vielleicht ist es diesmal auch nicht für immer.

Einen weiteren Verlust gab es in der vergangenen Woche zu beklagen, und zwar einen endgültigen: Gerard Damiano, der Regisseur von Deep Throat, starb im Alter von 80 Jahren. Im Gedächtnis bleibt er vor allem für diesen einen Film, ein Meisterwerk weniger der erregenden Erotik als vielmehr der klingelnden Kassen. Und weil er damals schon, Anfang der 70er Jahre, einen Porno-Humor entwickelte, den es bis heute noch nicht gibt: „Stört es Dich, wenn ich rauche, während du isst?“, fragt die Frau, die breitbeinig auf dem Küchentisch sitzt und sich eine Zigarette anzündet, während ein Männerkopf sich zwischen ihren Beinen zu schaffen macht (wie jedermann weiß, umschreibt man im Englischen mit „to eat“ nichts anderes als den guten, alten Cunnilingus).

Auch die Einspielergebnisse am Box Office macht Damiano bis heute so schnell keiner nach. Bis heute gilt der Film – weil billig produziert – als einer der profitabelsten in der Geschichte. Profitabel ist wohl auch High School Musical 3, in der zweiten Woche sowohl in den USA als auch in Deutschland auf Platz eins. In den USA ist wenigstens noch Zack and Miri Make a Porno neu auf Platz zwei eingestiegen.

Bei den Oscars stellt sich die Frage, wer in der Kategorie Animationsfilm ein würdiger Gewinner wäre. Was, Sie meinen Wall-E ist ein toller Film? Jaha, der war sogar so gut, dass Disney ihn nicht für den besten Animationsfilm, sondern in der Kategorie Bester Film ins Rennen schickt. Es wäre schön, wenn er auch nominiert würde.

Und da wir schon bei Robotern sind: Zum Remake von Der Tag, an dem die Erde stillstand (Deutschlandstart am 11. Dezember) mit Keanu Reeves gibt es jetzt einen sieben Minuten lagen Trailer, der bei mir eher Lust auf das Original geweckt hat.

Die New York Times hat ein schönes Stück über den alten Film von 1951.

Der nächste 50-er-Jahre-Science-Fiction-Kracher, der eine Generalüberholung verpasst bekommt, könnte Forbidden Planet (1956) sein, auch ein Film mit Roboter, mit einem recht süßen sogar.

Robby war der heimliche Star von Forbidden Planet.

Der Film, die Schöne und das Fliewatüüt: Robby war der heimliche Star von Forbidden Planet.

Der Drehbuchautor J. Michael Straczynski (Eastwoods Changeling stammt aus seiner Feder) ist angeblich bei dieser seit Jahren stockenden Produktion mit von der Partie. Hollywood Reporter nennt für die Meldung aber keine Quelle, also mit Vorsicht genießen.

Noch ein Blick in die Remake-Kristallkugel: Möglicherweise gibt es eine weitere Version von Planet der Affen, und wie Variety meldet, hat Mike Nichols (Closer; Der Krieg des Charlie Wilson) Kurosawas Entführungsdrama High and Low (1963) in der Mangel. Und dann gibt es da noch The Messenger of Peace, ein Hollywood-Biopic über den Propheten Muhammad. Produzent ist Oscar Zoghbi, der sein noch zu drehendes Werk als eine Art technisch aufgehübschte Neufassung von The Message aus dem Jahr 1977 mit Anthony Quinn verstanden wissen will. Darin war Muhammad vorsichtshalber nie persönlich zu sehen. Wie die New York Times berichtet, handelt es sich aber keineswegs um ein offizielles Remake.

Anhänger der Star-Wars-Saga müssen voraussichtlich noch etwas warten, bis Star Wars: Secrets of the Rebellion zu sehen sein wird. Der Regisseur, Autor und Produzent des offenbar verhältnismäßig aufwändig gedrehten Fanfilms, Mark Twitchell, ist nämlich in Kanada des Mordes angeklagt. Wie die Zeitung The Globe and Mail berichtet, soll er eins seiner anderen Drehbücher ins echte Leben umgesetzt und einen 38-jährigen Mann ermordet und zerstückelt haben. Er wird dabei doch nicht – gute Güte – mit einem Lichtschwert …?!??

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