The Women

30. Oktober 2008

„Ach, Du kannst keinem Mann trauen. Die wollen doch immer nur das Eine.“ – „Was haben wir denn sonst zu geben?“ (The Women, natürlich 1939)

„Was soll das sein? Chanel Nummer Scheiß?“ (The Women, 2008. Natürlich.)

Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Bildern?

Warner Home Video DVD, Constantin Film

Zweimal The Women: Links das Original von 1939, rechts die Neuverfilmung von 2008. Bilder: Warner Home Video DVD, Constantin Film

Nun, werden Sie sagen, rechts – das ist doch dieses Model, das für dieses Parfüm Werbung macht, nackt. Die Gangsterbraut aus „We Own the Night“. Genau. Eva Mendes. Die in allen 50 US-Bundesstaaten Sex hatte.

Und links, das ist Joan Crawford.

Der Unterschied zwischen links und rechts liegt nicht nur in Farbe und Schwarzweiß oder im Tausch von  Zigarette gegen Champagnerglas. Auch nicht im Kontrast zwischen der natürlichen Verruchtheit der Crawford und der Plastik-Sexiness von Eva Mendes. Nein, das Remake des George-Cukor-Klassikers The Women, das am 11. Dezember in Deutschland anläuft, hat aus einer gewitzten Komödie einen biederen, schlecht geschriebenen, behäbig inszenierten Dutzendfilm gemacht; einen Film, bei dem die Multiplexe sich sehr werden anstrengen müssen, um an irgendwelchen „Freundinnen-Tagen“ mit Gratis-Prosecco die junge ausschließlich weibliche Kundschaft ins Kino zu locken. Denn niemand mit einem Y-Chromosom wird auf die Idee kommen, sich das anzusehen.

Der Clou ist nach wie vor die mise en scène – während der gesamten Laufzeit ist kein einziger Mann im Bild zu sehen, selbst auf Fotos nicht. Zu Cukors Zeiten machte das Studio Werbung damit, es gebe mehr als 130 Rollen für Frauen, aber keinen Mann.  Was nicht heißt, dass Männer keine Rolle spielen, denn natürlich reden die Damen die ganze Zeit über nichts anderes – es geht schließlich um Ehebruch, genauer um die Affäre des Ehemanns der netten Mary (früher Norma Shearer, heute Meg Ryan) mit der männerverschlingenden Parfümverkäuferin Chrystal Allen (damals Crawford, heute Mendes). 

Die meisten Pointen verpuffen unter der Regie von Diane English wirkungslos, die einzigen gelungenen stammen aus dem Original. Etwa jene, mit der Chrystle die abschätzige Bemerkung der Ehefrau über ihre gewagte Garderobe pariert. „Wenn Steven nicht gefällt, was ich anhabe“, sagt die Geliebte da einfach, „dann ziehe ich es aus.“ Die neue Version erstarrt in der ewig gleichen Abfolge von Schuss-Gegenschuss und verfügt über keinen einzigen originellen Einfall zur Bildgestaltung. Dagegen hatte Cukor schon vor 70 Jahren folgende Idee, wie man die Energie darstellen kann, mit der Sylvia  ihre Freundin unter Druck setzt, die Rivalin endlich zur Rede zu stellen:

Warner Home Video DVD

Wie oft soll ich es Dir noch sagen? Rosalind Russell macht Norma Shearer die Hölle heiß. Bild: Warner Home Video DVD

1939 war The Women eine beißende Satire auf die so genannten Frauenfreundschaften der oberen Zehntausend. The Women von heute aber halten zusammen und machen sich dauernd Sorgen um das Seelenheil der anderen. Wo sich damals die Damen noch einen Catfight lieferten und gegenseitig die Kleider vom Leib rissen, versöhnt man sich nun im Nullkommanichts. Und aus Sylvia, die mit ihrem Getratsche und ihren Intrigen das ganze Drama erst in Gang brachte, ist eine an sich selbst zweifelnde Sylvie geworden, eine vermeintliche Karrierefrau, die auch noch mit ihrer Kinderlosigkeit hadern muss. Allzu sehr modernisiert kommt das Frauenbild ohnehin nicht daher. Wenn sie nicht vom Geld des Mannes abhängig sind, dann immer noch vom Erbe der Mutter – dank deren Investition in ihre Geschäftsidee nämlich hat Mary am Schluss ihren großen Auftritt als selbstständige Modedesignerin.

Nun ist auch der alte Film nicht gerade ein Meilenstein der Emanzipationsgeschichte. Aber wenigstens fällt einem erst nach über einer Stunde auf, dass man bisher noch keinen einzigen Mann gesehen hat, und auch später vermisst man die Kerle nicht. Bei der neuen Version dagegen möchte man am liebsten schon nach zehn Minuten ein Bad in purem Testosteron nehmen.

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