Die Woche auf Zelluloid – KW 44

27. Oktober 2008

+++ Heute u.a. über Alexander Kluge, die Berlinale-Retrospektive, Zack and Miri Make a Porno und den neuen James Bond +++

„Ich arbeite stets in dem Format 1:1,33, das ist das Format des klassischen Stummfilms. An dem hänge ich, solange ich lebe. Mit dem neuen Format 16:9 fange ich nichts an; das ist ein Format für liegende Katzen oder abstehende Ohren. Das alte Filmformat dagegen ist dem menschlichen Gesicht genau angepasst.“ (Alexander Kluge in der FAZ vom 22.10.2008)

Liegende Katzen oder abstehende Ohren – gut. Aber was würde Alexander Kluge wohl mit dem Format für Eisenbahnen, Beerdigungen und römische Wagenrennen anfangen? Die Berlinale widmet ihre nächste Retrospektive (5. bis 15. Februar 2009) dem 70-Millimeter-Film, einer technischen Entwicklung des Kinos, die auch der tollste Flachbild-Fernseher im Heimkino nicht vermitteln kann.

Peter O'Toole und Omar Sharif in Lawrence von Arabien, zu sehen in der Berlinale Retro 2009.

Bis da ganz hinten reicht die Leinwand: Peter O' Toole und Omar Sharif in Lawrence von Arabien, zu sehen auf der Berlinale-Retrospektive 2009

Aus der Pressemitteilung:

Doppelt so breit wie der 35-mm-Standardfilm ist er das adäquate Format für große Leinwandepen und Kolossalfilme, Abenteuerfilme und Western, für Musicals und Science-Fiction – für grandiose Landschaftspanoramen ebenso wie für bestechend schöne, intime Nahaufnahmen. Im Zuge der wirtschaftlichen Krise Hollywoods Mitte der 1950er Jahre war der 70-mm-Film vor allem als technische Innovation von Bedeutung, mit der das Fernsehen nicht konkurrieren konnte, da der Breitfilm mit seiner optischen und akustischen Brillanz nur im Kino voll zur Geltung kommt.

Zu meiner besonderen Freude wird die Retro nicht nur im Cinemaxx am Potsdamer Platz zu sehen sein, sondern auch im Kino International. Im Jahr 1963 war es als drittes 70-Millimeter-Aufführungskino der DDR eröffnet worden, nun wird es noch durch digitale Technik ergänzt. Unter den insgesamt 22 Filmen sind Cleopatra (1961–63) Lawrence of Arabia (1961/62), Ben Hur (1959), West Side Story (1960/61) und Sound Of Music (1964/65) aber auch weniger bekannte Produktionen aus der Sowjetunion (weitere Titel hier).

Noch eine Meldung zur Berlinale: Der Deutsche Journalistenverband kritisiert die Erhöhung des Bearbeitungsentgelts für Berichterstatter von 40 auf 60 Euro. Das ist in Ordnung. Es ist ebenfalls in Ordnung, dass der DJV sich über andere Dinge wie die erzwungene Vorlage von Filmkritiken beschwert (das mache Berufseinsteigern die Akkreditierung unmöglich) sowie darüber, dass man die Reichweite des Mediums angeben muss, für das man berichtet. Alles durchaus kritikwürdig. Aber schon seit Jahren fester Bestandteil des Antrags auf Akkreditierung – da kommt der DJV etwas spät.

Über die Neuzugänge in den Kinocharts verlieren wir in dieser Woche lieber kein Wort. In den USA und in Deutschland ist High School Musical 3: Senior Year an der Spitze, wohl der richtige Film zur Finanzkrise. 

Interessant könnte es aber in der nächsten Woche werden. In Zack and Miri Make a Porno (US-Start am 31.10. deutscher Start unbekannt) versuchen die in einer Chaos-WG zusammen lebenden Zack und Miri, einen Porno zu drehen und ihn im Internet zu verkaufen, um so endlich ihre Miete bezahlen zu können. Das könnte eine großartige Komödie sein, muss aber nicht. In einer Kritik ist von einer „Mischung aus explizit sexuellem Humor“ die Rede, als Beispiel wird ein „eindrucksvoll ekelhafter Gag“ genannt, in dem dargestellt werde, wie wichtig die Wahl der richtigen Kameraposition sei, wenn man eine Analsex-Szene drehen wolle. Sie finden, nicht nur weil Seth Rogen mitspielt, das klinge nach einer neuen Variation aus dem Hause Judd Apatow, nach Superbad, Knocked Up und wie sie alle hießen? Falsch. Zack and Miri ist von Kevin Smith, der schon Filme über Nerds gemacht hat, als Apatow noch selbst einer war. Warum jener heute trotzdem leicht mit diesem verwechselt werden kann, das erklärt die New York Times. Im metaphorischen Sinne passend dazu: Stefan Höltgen berichtet vom 3. Porn Film Festival in Berlin.

Ebenfalls am 31. Oktober läuft der neue James Bond, Quantum of Solace, in Großbritannien an (bei uns am 6.11.). Peter Bradshaw vom Guardian ist „enttäuscht darüber, dass es wenig Dialog und wenige Flirts gibt. Regisseur Forster und seine Autoren Paul Haggis, Neal Purvis und Robert Wade waren wohl der Meinung, diese Art von weibischem Unfug müsse zugunsten der Explosionen zurückstehen“. Das Magazin Empire macht – ähnlich wie bei The Dark Knight – als einzigen Einspruch geltend, dass „der Film zwar spannend und erfinderisch ist, aber nicht gerade das, was man unter Spaß versteht“. Und Variety findet: „Ohne den Humor, die Eleganz und den altmodischen Stil des Vorgängers Casino Royale bleibt von Quantum of Solace wenig außer der Handlung, die eher rudimentär und etwas bescheuert ist, ähnlich wie in den Roger-Moore-Filmen der 70er und 80er Jahre“.

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