Die Woche auf Zelluloid – KW 43

20. Oktober 2008

Die Mitglieder der US-Filmakademie müssen (naja, müssen tun sie wohl nicht) sich in diesem Jahr so viele Untertitel-Filme ansehen wie noch nie. Aus 67 Ländern gibt es Bewerbungen um den Auslandsoscar, eine Rekordzahl. Fünf davon werden nominiert.

Ob Max Payne besser ist als die hierzulande so berüchtigten Videospielverfilmungen von Uwe Boll? Jedenfalls ist Mark Wahlberg mit seiner Darstellung eines Pixelhelden aus dem Stand auf Platz eins der US-Charts gelandet (bei uns läuft der Film am 20.11. an). Die Paronomasie im Titel von Film und Videospiel (Payne=pain=Schmerz) scheint leider auch auf die Qualität zu passen: „In jedem Sinn des Wortes erbärmlich“, lautet das Urteil der Los Angeles Times; die meisten anderen Kritiken klingen ähnlich, wenn auch nicht – hihi – paronomastisch. In Deutschland hat übrigens Baader-Meinhof Wall-E von der Spitze vertrieben, was eine ganz und gar unerfreuliche Meldung ist. 

Für Oliver Stones W., ein Biopic über George W. Bush, gibt es merkwürdigerweise noch kein deutsches Startdatum. Das amerikanische Publikum aber scheint in Abschiedsstimmung und katapultierte den Film nach dem ersten Wochenende auf Platz zwei. Die New York Times nennt W. „queasily enjoyable“, was, wenn ich mich nicht irre, soviel heißt wie „man kann ihn genießen, zuweilen verursacht er aber Magenschmerzen“. Es handele sich „um ein Werk der Phantasie, einschließlich Gefühle heraufbeschwörender Musik, Zeitlupenaufnahmen und  bedeutungsschwerem Symbolismus. Nichts Neues über den Präsidenten, seine Triumphe und seine Misere ist zu erfahren. W. ist nicht so visuell barock wie JFK und Nixon, Stones dunklere, ambitioniertere Ausflüge in die amerikanische Psyche und Präsidentschaft. Aber er behält eine angenehm flüssige Erzählweise bei.“ Die Washington Post findet dagegen gar nichts Gutes an W., den sie als „hektisch, völlig uneben und durcheinander“ beschreibt, ja sogar als „Karikatur“. 

 

The Princess of Nebraska, der neue Film von Wayne Wang.

Online, aber nicht für alle: The Princess of Nebraska, der neue Film von Wayne Wang.

Kino ist so 20. Jahrhundert, nehmen wir also im Internet Platz. Wayne Wangs neuer Film, The Princess of Nebraska, feierte seine Premiere am Wochenende online, im YouTube Screening Room. Nach Steven Soderbergs Versuch vor ein paar Jahren mit „Bubble“ ist Wang der zweite Regisseur mit Reputation, der solches wagt. Zumindest ein bisschen, denn außerhalb der USA lässt sich der Stream nicht ansehen: „Dieses Video ist in Ihrem Land nicht erhältlich“, steht dann da. 160.000 Views verzeichnet YouTube bisher, das ist für einen Arthouse Film innerhalb von ein paar Tagen nicht schlecht. Aber wie viele von den Onlinezuschauern haben wirklich 77 Minuten lang bis zum Ende zugesehen, und wieviele haben nebenher noch E-Mails geschrieben, Blogs gelesen oder Urlaubsbilder sortiert?

Peter Gelderblom hat recht: „In Sachen Film gibt es wohl nichts Dümmeres und komplett Uncooleres, als Alfred Hitchcock in Frage zu stellen. Man stellt ihn nicht in Frage. Man hält die Klappe, hört zu und lernt.“ Gelderblom wagt es trotzdem. „Wünscht mir Glück!“, ruft er noch, und dann taucht er tief hinab in die Entwicklung, die Hitchcocks Suspense-Gedanke in den letzten Jahrzehnten genommen hat. Über Beispiele unter anderem aus Polansiks Ekel, Carpenters Halloween, de Palmas Carrie und Kubricks Shining stellt er eine Reihe von Möglichkeiten zusammen, Spannung auf andere Weise zu erzeugen, z.B. mit Strategien wie der „Verborgenen Bedrohung“, dem „Pawlowschen Minenfeld“ und der „Zerebralen Spirale“.  Diese Ansätze, so Gelderblom, „unterlaufen keineswegs die goldene Regel Hitchcocks. Aber sie bereichern das filmische Vokabular“.

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