- Wegen seiner prophetischen Qualitäten. Zitat Johnny Case, gespielt von Cary Grant: “When I find myself in a position like this, I ask myself what would General Motors do? And then I do the opposite!”
- Wegen der Art, in der Katherine Hepburn, Zigarette im Mundwinkel, “Bis zum Hals!” sagt (“To the neck!”):
- Wegen dem “5th Avenue Anti Stuffed Shirt Club”
- Wegen Nick und Susan, den von Edward Everett Horton und Jean Dixon gespielten Freunden von Johnny, witzigen und wundervollen Menschen, ein herrlich nonkonformistisches Ehepaar.
- Weil Cary Grant endlich einmal zeigen konnte, dass er ein Akrobat ist.
- Weil ein Flic-Flac alle Sorgen vertreibt.
- Jemals auf einer schrecklichen Party gewesen und dann entdeckt, dass der Spaß bei den verfemten Rauchern auf dem Balkon oder bei den Zusammengewürfelten in der Küche stattfindet? Mindestens den halben Film lang geht es genau darum (die ersten fünf Minuten des Ausschnitts reichen. Bitte auch auf den Hitler-Subtext achten):
- Wegen Lew Ayres, den man in seiner Hauptrolle als Soldat Paul Bäumer in Im Westen nichts Neues (1931) kennt. Hier spielt er den vom Vater in seiner künstlerischen Natur unterdrückten, nihilistischen, alkoholkranken Bruder. In einer der schönsten Szenen lässt Katherine Hepburn sich von ihm erklären, wie man seinen Kummer in Champagner ertränkt.
- Wegen der aus heutiger Sicht schon fast an die Hippiezeit erinnernde Einstellung zum Leben, der hemmungslosen Regression in die Kindheit und dem “Play Room”:
- Wegen Katherine Hepburns atemberaubend vorgetragenem Liebesbekenntnis: “If he wants to come back and sell peanuts, how I’ll believe in those peanuts!”
(Screenshots: DVD von Sony Pictures Home Entertainment)
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Holiday in der Internet Movie Database
Frühere Folgen:
Une femme est une femme
Sunset Boulevard
Rio Bravo
- Wegen Anna Karina.
- Wegen der Jukebox-Szene, die, je nach Lesart, inmitten einer turbulenten Liebesbeziehung fast einer Beleidigung des Regisseurs für die Karina – seinen Star und seine spätere Ehefrau – gleichkommt. Sie sitzt mit Belmondo in einem Café, er wirft auf ihren Wunsch eine Münze in die Jukebox und spielt Charles Aznavour: Tu t’laisses aller (davon gab es auch eine deutsche Version unter dem Titel “Du lässt Dich gehen”). Darin beschimpft Aznavour seine Frau als biestig, dick, unattraktiv, desinteressiert und langweilig. Godard lässt das ganze Lied ausspielen (drei Minuten und vierzig Sekunden) und schneidet dazu immer wieder auf Karina, die ein Foto ansieht, auf dem ihr Mann mit einer anderen Frau zu sehen ist. Selten war eine Musikuntermalung ein so direkter Ausdruck des Seelenlebens. (Das Lied selbst ist übrigens auch toll.):
- Weil es ein absurdes Striptease-Lokal wie das, in dem Angela arbeitet, leider nicht mehr gibt: Eine knappe Handvoll gelangweilter Männer in einer länglichen Halle an Tischen mit karierten Decken, und dazwischen laufen die Mädchen auf und ab und singen ein Lied, während sie sich ausziehen. Und Angela nimmt diesen Job so ernst wie eine Künstlerin ihre Werke.
- Überhaupt diese Dekonstruktion des Striptease!
- Weil Godard die Regeln und Konventionen der geliebten Hollywood-Musicals durch den Schredder gedreht hat – zum Beispiel, indem er zwischendurch immer wieder die Musik einfach abdreht –, dennoch ständig auf sie anspielt und gleich mit dem nächsten Schnitt unverrichteter Dinge weiterzieht:
- Weil es hier noch richtig Spaß macht, einen Godard-Film zu gucken und man ihn auch problemlos Leuten vorführen kann, die sonst schnell “Hilfe, Filmkunst!” schreien und fortrennen.
- Weil – bei aller gewollten Künstlichkeit – die Geschichte des Paares doch berührt.
- Die Szene, in der Anna Karina und Jean-Claude Brialy wegen eines Streits nicht mehr miteinander reden und sich mithilfe von Buchtiteln aus dem Regal Beleidigungen an den Kopf werfen.
- Die Art, wie Brialy auf dem Weg zum Bücherregal die Stehlampe schultert (und wie er im Wohnzimmer Fahrrad fährt).
- Wegen des Wortspiels am Schluss, das in der deutschen Synchronisation verloren geht: “Angela, tu es infâme!” – “Non, je ne suis pas infâme, je suis une femme!” (“Angela, du bist infam!” – “Nein, ich bin eine Frau!”)
- Weil es die einzige Geschichte ist, die man sogar einem Toten glaubt. Oder zumindest die erste war, die von einem Toten erzählt wurde. Und was für eine lebendige Geschichte das ist!
- Wegen der Dialoge: “Your’re Norma Desmond. You used to be in silent pictures. You used to be big!” – “I am big. It’s the pictures that got small.” Oder: “There’s nothing else. Just us, the cameras and all you wonderful people in the dark. And now, Mr DeMille, I’m ready for my close-up.”
- Weil es ein Film über die Liebe zum Film ist.
- Aber auch eine Abrechnung mit den Arbeitsbedingungen in Hollywood.
- Weil man am Gesicht von Gloria Swanson sehen kann, welch mimische Kunst mit der Erfindung des Tonfilms verloren gegangen ist:
- Die Art, wie Norma Desmond Zigaretten raucht. Nicht mit einer herkömmlichen Zigarettenspitze, oh nein. In einem Ring an ihrem Finger.
- Weil es heute Menschen gibt, die Norma Desmond für eine reale Person halten.
- Nancy Olsen als clevere und kreative Betty Schaefer, die sich – auch damals war Hollywood schon wahnsinnig – die Nase hat richten lassen, um Schauspielerin zu werden. Aus Betty wurde mit hübscher Nase eine Drehbuchautorin; Nancy Olsen verschwand leider bald im Fernsehen.
- Wegen der würdevollen Auftritte von Erich von Stroheim und Buster Keaton.
- Die Hasstirade auf den Tonfilm:
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