An dem Film Step Up 3D (Start am 26. August) ist außer seiner marketingdurchwirkten Anbiederung ans jugendliche Publikum und ein paar ganz beeindruckenden Hip-Hop-Tanzspektakeln nichts Besonderes (bei critic.de habe ich ein bisschen mehr dazu geschrieben). Bis auf jene kleine zauberhafte Nummer, in der nach dem alten Song “I Won’t Dance” ein Junge und ein Mädchen fröhlich durch eine New Yorker Straße tanzen und Leuten wie Fred Astaire und Gene Kelly eine von Herzen kommende Ehre erweisen.
Über diese schlichte Musicalszene inmitten eines Films voller hochgezüchteter, mit viel Hokuspokus umgesetzter Choreographien und Hip-Hop-Musik habe ich mich sehr gefreut – und auch gewundert. Bis ich gesehen habe, was Regisseur Jon M. Chu sonst noch so gemacht hat. Nämlich nicht nur Step Up 2 (von 2008), der neben dem aktuellen Teil sein einziger Langfilm ist. Sondern auch einen Kurzfilm namens “When The Kids Are Away” (2002). Das war sein Abschlussfilm an der Hochschule; es geht darum, was Hausfrauen tun, wenn der Mann auf der Arbeit und die Kinder in der Schule sind. Nein, nicht den Milchmann verführen, sondern singen und tanzen.
Der Film ist vielleicht etwas zu lang geraten, verrät aber viel Liebe zu klassischen Musicals und ist eine wahre Freude:

Zurück zu Step Up 3D: Der Song “I Won’t Dance”, dem da gehuldigt wird und den auch Frank Sinatra mal gesungen hat, stammt aus “Roberta”, einem Musical von 1935 mit Fred Astaire und Ginger Rogers (Minute 4.05 bis 9.25):

Das iPad als Couch-Kino

10. August 2010

Dass man auf dem iPad ganz wunderbar Bücher lesen kann, ist wohl kein Geheimnis mehr. Selbst so altmodische Leute wie ich, die jedem neu gekauften Buch mit der flachen Hand über die Seiten streichen und sich nicht gegen den olfaktorischen Zwang wehren können, ihre Nase zwischen die Seiten zu stecken, nehmen zuweilen gern ein E-Book in die (dann allerdings haptisch unterforderte) Hand. Gleichzeitig ein Fluch und ein Segen ist es dabei, stets riesige Bibliotheken und Online-Buchläden auf Abruf bereit zu haben, um sich innerhalb weniger Sekunden mit neuem Lesestoff zu versorgen. Seit das Gerät in unseren Haushalt kam, habe ich zwei E-Books darauf gelesen, und das einzige Problem, von dem ich berichten kann, ist der Ehestreit (“Du spielst doch sowieso nur damit rum!”), der entstehen kann, wenn der eine seinen Truman Capote, die andere aber zur selben Zeit ihren ebenfalls auf das iPad geladenen, gerade jetzt unerträglich spannenden Lee-Child-Krimi weiterlesen will.
Die Frage, ob sich auf dem iPad auch Filme anschauen lassen, war für mich erst einmal sekundär. Auch hier bin ich altmodisch: lieber Kino als DVD, lieber Flachbildfernseher und Couch als Laptop und Schreibtischstuhl. Der verhältnismäßig kleine Bildschirm des iPad erzeugt da nicht unbedingt große Lust, jedenfalls nicht auf den ersten Blick.
Auf den zweiten aber schon, zumindest wenn es um aus dem Internet geladene Filme geht. Man muss nicht am unbequemen Schreibtisch sitzen, und man muss auch nicht umständlich das MacBook mit dem Fernseher verkabeln. Man kann sich gemütlich auf die Couch begeben und hält das Gerät so, wie man auch ein Buch halten würde (oder stützt es auf den angewinkelten Knien ab oder legt es seitlich auf ein Kissen). Bequemlichkeitsfaktor: hoch, kein Vergleich dazu, einen Laptop auf den Knien zu halten. Übrigens erledigt sich dabei das von den E-Books bekannte Ehestreit-Problem, weil das Filmegucken natürlich eher eine gesellige Tätigkeit ist als das Lesen. Der Bildschirm des iPad lässt es ohne weiteres zu, das Geschehen schräg von der Seite zu verfolgen. Das funktioniert auch wunderbar auf Zugfahrten. Dankenswerterweise können die Scharniere an den Ausklapptischen bei der Deutschen Bahn als iPad-Stand dienen:

iPad-Bahn.jpg

Wenn der Zug mal schwer ruckelt, kann das Gerät zwar umfallen, aber wenn man seine Brieftasche davor legt, bleibt die Konstruktion stabil, und zwar ohne, dass das Bild verdeckt würde.

Also alles toll?

Nur bedingt. Zu Testzwecken habe ich aus dem iTunes Store die Stieg-Larsson-Verfilmung “Verblendung” geladen. Dabei zeigen sich die ersten Einschränkungen. Anders als bei Büchern dauert es nämlich sehr lange, bis der Film zur Verfügung steht, und mit “sehr lange” meine ich “man-kann-sich-schlafen-legen-und-den-Film-dann-am-nächsten-Morgen-ansehen”-lange. Die HD-Version (4,99 Euro) ist knapp zwei Gigabyte groß und zumindest mit meiner – zugegeben, nicht sehr modernen – 2000-er DSL-Flatrate erweist sich der iTunes Store als einer der langsamsten Server der westlichen Welt. Das sollte man bedenken, falls man sich einen Film für den aktuellen Abend besorgen will.
Am nächsten Morgen, als “Verblendung” schließlich auf dem iPad vollständig angekommen war, musste ich ihn erst noch suchen. Filme werden nämlich in der App “Videos” gespeichert, von der ich noch nie vorher gehört hatte, deren Name für mich aber eher nach Heimvideos denn nach Hollywoodfilmen klang. Immerhin konnte eine schnelle Google-Suche verhindern, dass ich den Support anrufe.
Es folgt das zweite Problem: die aspect ratio, also das Seitenverhältnis, in dem der Film dargestellt wird. Weil das iPad kein 16:9-Format hat wie jeder moderne Fernseher, nehmen die bekannten schwarzen Balken oben und unten mehr als die Hälfte des Raumes ein. Ein neuer Film wie Verblendung, der wie die meisten Kinofilme heutzutage im Format 2.35:1 gedreht ist, sieht auf dem iPad aus wie ein Streifen Pflaster. Alte Schwarzweiß-Filme im früher üblichen 4:3-Format aber, für die das Seitenverhältnis keinen großen Verlust an FLäche bedeuten würde, gibt es im iTunes Store so gut wie gar nicht (was übrigens Problem Nummer drei darstellt: das Angebot des iTunes Store ist so wenig attraktiv wie eine herkömmliche Blockbuster-Videothek).
Man kann mit einem Fingertippen an die rechte obere Ecke das Bild heranzoomen, so dass es die ganze Fläche ausfüllt, aber dadurch wird links und rechts so viel abgeschnitten, dass man quasi nur die Hälfte des Bildes sieht. Außerdem gibt es noch eine zumindest theoretisch benutzbare Funktion für Untertitel, aber (Problem Nummer vier) sämtliche angebotenen Filme sind nur in deutscher Synchronisation zu haben.
Interessanter wird es, wenn man sich vom iTunes Store und der “Videos”-App wegbewegt, auch wenn Apple diesen gerne als einzigen Zugang zu Filmen etablieren will. Mit der App Air Video (2,39 Euro) kann man Filme vom eigenen Computer über das heimische W-Lan-Netz auf das iPad streamen. Das funktioniert sehr gut und ohne Verzögerung. So lassen sich z.B. heruntergeladene avi-Filme ansehen bzw. von einer importierten DVD hergestellte Filmdateien.
Dennoch stellt sich die Frage: Warum dann nicht gleich den Laptop an den Fernseher anschließen? Das erscheint mir noch immer als bessere, weil dem Kino zumindest ein bisschen mehr verwandte, Form des Filmesehens als das Gerät in der Hand zu halten. Diese dem Lesen ähnliche Haltung auf dem heimischen Sofa führt nämlich auch zu dem Lesen ähnlichen Verhaltensweisen: Man unterbricht häufiger und legt das iPad, wie ein Buch, beiseite, um erst später weiterzuschauen. Bei einer DVD auf dem Fernseher tue ich das nur, wenn ich von irgendetwas oder irgendwem unterbrochen werde. Der Konsum von Filmen wird also noch mehr zersplittert, die Konzentration lässt nach. Die ganze Sache wird ein wenig zum Nebenbei-Medium, wie Radio. Texte sind geduldig, als Leser gibt man selbst die Geschwindigkeit vor. Ein Film dagegen usurpiert den Faktor Zeit und bezieht ihn in seine Wirkung und Deutung ein. Andererseits: Das casual viewing, das das iPad ermöglicht, würde dazu führen, dass man sich häufiger etwas ansieht. Denn für die Verkabelung mit dem Fernseher ist man dann oft doch zu faul.
Auf Youtube eingestellte Filme, dort gibt es eine ganze Menge alter Werke, deren aspect ratio gut mit dem iPad harmoniert, sind über die vorinstallierte youtube-app ebenfalls gut ansehbar. Was aber nicht funktioniert, und damit sind wir bei dem für jeden cinephilen iPad-Besitzer schmerzlichen Problem Nummer fünf, ist das Filmportal Mubi (früher als The Auteurs bekannt). Die dort gezeigten Filme sind in Flash codiert, und Flash kann das iPad nun einmal nicht. Vor einiger Zeit hatte ich dort angefragt, ob sich das ändern wird, und bekam per E-Mail zur Antwort, dass es derzeit keine Pläne gebe, von Flash auf HTML5 umzusteigen (was die Filme iPad-kompatibel machen würde). Kürzlich gab es aber im Mubi-Forum eine Andeutung, die zumindest Hoffnung macht: “Give us another few months before we start unveiling our plans for Mubi on iPad. Good things come to those who wait..”, erklärte Firmengründer Efe Cakarel vor ungefähr vier Wochen.
Nun gut, wir warten. Bis dahin aber werde ich auf dem iPad ganz sicher mehr Bücher lesen als Filme sehen. Eheprobleme hin oder her.

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„Wenn ich, wie Alfred Hitchcock, mein ganzes Leben nur Kriminalfilme gemacht hätte, wäre mein Name bestimmt ebenso bekannt. Aber das langweilte mich und ich versuchte es auf verschiedenen Gebieten, mit Komödien, Tragödien oder Musicals.“
Aus dem Zitat von Robert Siodmak, der heute 110 Jahre alt geworden wäre, spricht eine kaum verhohlene Enttäuschung über den eigenen Karriereweg. Dass Hitchcock, auch er ein Europäer in Hollywood, so viel mehr Erfolg hatte und bis heute von so viel mehr Menschen als großer Regisseur erkannt wird, schmerzte Siodmak – dessen Namen heute niemand kennt, der sich nicht ernsthaft für Film interessiert (und dennoch hat jeder, der schon einmal einen Fernseher eingeschaltet hat, mindestens einen seiner Filme gesehen: Der rote Korsar, mit Burt Lancaster, von 1952).

Um eine Lanze für ihn zu brechen, genügt es, folgende Szene aus Phantom Lady (1944) zu beschreiben, einem der hervorragendsten Film-Noir-Filme, die es gibt:

Eine Kellertreppe im Halbdunkel, ein Mann und eine Frau kommen herunter, auf die Kamera zu. Der Mann tänzelt vor ihr herum, es ist leise Jazzmusik zu hören. Die Kamera beginnt jetzt eine kurze Rückwärtsfahrt und endet an einer Tür, die der Mann aufstößt. Damit wird die Musik lauter, und ein Trompetenspieler kommt in den Bildmittelpunkt, es folgt ein Schwenk auf einen Pianisten. Erst hier kommt der erste Schnitt. Der Mann fasst die unsicher wirkende Frau am Nacken und schiebt sie in den Kellerraum, setzt sie auf einen Stuhl. Die Band legt jetzt richtig los, die Musik hat Groove. Die Frau, gespielt von Ella Raines, sitzt unbehaglich auf ihrem Stuhl, neben dem aus Untersicht aufgenommenen Kontrabass, an dem der Musiker herumzupft, als wäre es ihr Körper. Phallische Posaunen und Trompeten ragen ins Bild; die Frau steht auf und geht durch die Musiker hindurch zum Spiegel. Ihr Begleiter, der am Schlagzeug platzgenommen hat (gespielt von dem großartigen Nebendarsteller Elisha Cook Jr.) sieht sie gierig von oben bis unten an, während sie sich die Lippen nachzieht. Nun hat sie sich verwandelt vom schüchternen Mädchen zum Vamp (ihr Ziel ist es, den Schlagzeuger zu verführen, um die Unschuld ihres wegen Mordes im Gefängnis sitzenden Chefs zu beweisen). Schließlich stellt sie sich, beim Schlagzeugsolo, vor den wie wild trommelnden Mann, dessen Gesicht jetzt extrem verzerrt ist, und feuert ihn mit Hüftschwung und herausforderndem Gesicht immer mehr an. Dann bedeutet sie ihm mit einem kurzen Schwenken ihres Kopfes zur Tür hin, dass es nun genug des Vorspiels sei, und der Schlagzeuger lässt die Sticks fallen und folgt ihr, eingefangen in männlichen Trieb und weibliche List.

Der Film ist, wie gesagt, von 1944, aber diese Szene versprüht eine sexuelle Energie, die bis heute elektrisiert. Sehen Sie selbst:

Siodmak wäre gerne das gewesen, was die Franzosen Jahrzehnte später einen Auteur nannten. Manchmal gelang ihm das auch wohl (“Selbst die großen Chefs wagten schließlich nicht mehr, mir hineinzureden. Ich hatte wieder einmal meinen Kopf durchgesetzt”, schreibt er in seinen 1980 posthum erschienenen, sehr anekdotenlastigen Erinnerungen), aber Zeit seines Lebens litt er wie ein Hund, wenn ihm wieder jemand dreinreden wollte, sei es das Studio, seien es die Bürokraten vom Hays Code. Seinen Film The Strange Affair of Uncle Harry (1945) fand die Zensurbehörde unmoralisch: eine frühe Geschichte einer dysfunktionalen Familie, George Sanders vergiftet darin seine eigene Schwester. Dem Verlangen nach unzähligen Schnitten konnte Siodmak sich nur widersetzen, indem er ein Ende anfügte, dass die ganze Geschichte als Tagträumerei Harrys entlarvt. “Eine absolute Idiotie”, urteilte der Regisseur – und fügte sich.

Siodmak hatte ein gesundes Selbstbewusstsein aus Europa mitgebracht, wo er eine ganze Reihe von Erfolgen aufweisen konnte. In den USA aber fing er wieder ganz von vorne an, zum dritten Mal schon, nachdem seine Karrieren in Deutschland und Frankreich kriegsbedingt unterbrochen wurden. Angeblich am letzten Tag vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (so geht jedenfalls die Legende), schiffte er sich nach Amerika ein, wo er als gereifter Handwerker in einem Studiosystem anheuerte, dem er sich stets überlegen fühlte. Siodmak hatte in Deutschland maßgeblich an Menschen am Sonntag (1930) mitgewirkt und mit Abschied (1930) einen frühen Tonfilm gedreht, der virtuous die Möglichkeiten der neuen Technologie auschöpft. Der Film, er spielt in einer kleinen Pension in Berlin und stellt mit viel Liebe zum Detail das Leben seiner sehr unterschiedlichen Bewohner dar, ist durchzogen von prägnanten, geschickt in die Handlung eingebauten Geräuschen wie Staubsauger, Klavierspiel, Türenquietschen und Telefonklingeln. Und über alldem erschallt immer wieder der durchdringende Ruf der Wirtin nach “Liiiiiinaaaaaa!”, dem Dienstmädchen. Ein Jahr später folgt Voruntersuchung (1931), ein Kriminalstück mit ebenso vielen kantigen Nebenfiguren, das an Kamerafahrten und Schattenspielen viel von dem vorweg nimmt, was später in den USA zum expressionistischen Stil des Film Noir gehören sollte.

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In Hollywood angekommen, dauerte es ein Jahr, bis Siodmak seinen ersten Auftrag erhielt: einen B-Film für das Studio Republic Pictures mit dem Titel West Point Widow (1941). Es war keine schöne Erfahrung: “Die Besetzung war Durchschnitt und die Schauspieler wurden in etwa zehn Minuten besetzt, ohne daß jemand etwas dagegen zu sagen wagte. Kein Mensch fragte mich um meine Meinung, kein Mensch hatte Respekt vor mir.” (drüben bei mubi.com schreibt David Cairns ausführlich über einen anderen Film aus Siodmaks Republic-Zeit, Someone to Remember.) Phantom Lady (deutscher Verleihtitel: Zeuge gesucht) war dann drei Jahre später Siodmaks erster großer Erfolg, der endlich seinen Ruf als Noir-Spezialist begründen sollte. Es folgten das Gothic-Grusel-Drama The Spiral Staircase (1945, mein Lieblings-Film von Siodmak), The Dark Mirror (1946, mit einem für die damalige Zeit beeindruckenden Doppelbelichtungs-Trick; Olivia de Havilland spielt in einer Visualisierung von Persönlichkeitsspaltung eine gute und eine böse Zwillingsschwester), The Killers (1946, mit dem ersten Auftritt von Burt Lancaster, eine Entdeckung Siodmaks), Cry of the City (1948) und Criss Cross (1949). Immer wieder zeigt sich in diesen Filmen jene für Siodmak typische Mischung aus perfekt beherrschtem Handwerk und jenem Quentchen mehr, das aus vielen seiner Filme Kunstwerke macht, ohne dass sie ihre Kunst auf einem Schild vor sich hertragen. In The Killers ist das die Anfangssequenz, in der zwei Auftragsmörder in eine Stadt kommen und sich im Diner niederlassen:

In The Spiral Staircase ist es die Kameraeinstellung aus der Sicht des Mörders. In Criss Cross ist es das Mädchen, das ekstatisch zu Rhumba-Musik tanzt, während die Kamera lange nur ihr Gesicht in Großaufnahme zeigt (sie tanzt mit Tony Curtis, schon wieder eine Schauspieler-Entdeckung, die die Filmgeschichte Siodmak verdankt). Oder die Arbeiter einer Geldtransportfirma, die darüber reden, wie teuer eine Dose Tomaten ist, während sie Millionen von Dollar in Säcke stopfen.
Die zeitgenössische Kritik freilich erkannte ausschließlich den Handwerker und verglich Siodmak zu dessen Ärger immer wieder mit Hitchcock. Bosley Crowther, der damalige Kritiker der New York Times, warf Phantom Lady vor, krampfhaft den Stil von Hitchcock zu kopieren und mit deutschem Expressionismus vermischen zu wollen. Von The Spiral Staircase dagegen zeigt er sich beeindruckt, aber ausschließlich davon, wie der Regisseur seine Mittel – und sein Publikum – beherrscht. Damals gab es ja noch keine Pressevorstellungen, und Crowther ist fasziniert von den Reaktionen des Publikums in einer ganz normalen, ausverkauften Vorstellung:

“Robert Siodmak has employed to develop and sustain suspense—brooding photography and ominously suggestive settings—that he is at no time striving for narrative subtlety. How could he have been when he has drawn upon practically every established device known to produce goose pimples? However, the only thing that really matters is that Mr. Siodmak has used the rumble and cracking of thunder, the flickering candlelight, the creaking door and the gusts of wind from out of nowhere to startling advantage. For even though you are conscious that the tension is being built by obvious trickery, the effect is nonetheless telling. That Mr. Siodmak and his players, notably Dorothy McGuire, had a packed early-morning house under their spell most of the time was evident by the frequent spasms of nervous giggling and the audible, breathless sighs.”

Ich habe den Film letztes Jahr während einer Siodmak-Retrospektive im Kölner Filmclub 813 gesehen, und obwohl die Vorstellung alles andere als ausverkauft war, kann ich bestätigen, dass The Spiral Staircase bis heute sein Publikum in Bann halten kann.

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(Fotos: Siodmak in den 40-er Jahren in Hollywood, Mitte der 30-er Jahre in Paris und mit Burt Lancaster bei den Dreharbeiten zu The Killers. Alle Bilder aus: Robert Siodmak, Zwischen Berlin und Hollywood, hrsg. von Hans C. Blumenberg, München 1980)

***

Mehr über Robert Siodmak gibt es in amerikanischen Blogs:
Green Briar Picture Shows, Teil eins und Teil zwei
Bright Lights Film

DVD-Hinweise:
The Killers ist beim amerikanischen Label Criterion erschienen (und außerdem in voller Länge bei Youtube zu finden), von The Spiral Staircase und Phantom Lady gibt es bei amazon.co.uk und amazon.com billige Ausgaben. Andere, wie Cry of the City, Uncle Harry oder Son of Dracula, sind vergriffen, aber mit ein bisschen Recherche auffindbar. Auch auf dem deutschen Markt sind einige Filme zu haben. Die schönste Ausgabe ist The Dark Mirror in der Film Noir Reihe von Koch Media. Von The Killers (dt. Titel Rächer der Unterwelt) gibt es eine Billig-DVD, ebenso von Criss Cross (dt. Titel Gewagtes Alibi).

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