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The Curious Case of Benjamin Button (2008): „You never know what’s comin’ for ya.“
Forrest Gump (1994): „Life was like a box of chocolates. You never know what you’re gonna get.“

BB: Altert rückwärts.
FG: Hat extrem niedrigen IQ.

BB: Rollstuhl
FG: Beinschienen

BB: Zweiter Weltkrieg
FG: Vietnam

BB: Captain Mike
FG: „Lieu-tenant Dan“

BB: Knopffabrikant
FG: Shrimpfischer

BB: Rahmenhandlung im Krankenhaus
FG: Rahmenhandlung auf der Parkbank

BB: Spezialeffekte rund ums Altern
FG: Spezialeffekte rund um die Zeitgeschichte

BB: Benjamin und Daisy treffen bereits als Kinder aufeinander, verlieren sich aus den Augen und werden viele Jahre später ein Paar.
FG: Forrest und Jenny treffen bereits als Kinder aufeinander, verlieren sich aus den Augen und werden viele Jahre später ein Paar.

BB: Daisy schließt sich als junge Frau der promisken Künstlerwelt im New York der 50-er Jahre an.
FG: Jenny wird zum Hippie-Mädchen, später zur Drogensüchtigen.

BB: Daisy wird Tänzerin, aber ein Verkehrsunfall ruiniert ihre Karriere.
FG: Jenny will Sängerin werden, ist aber nicht sonderlich begabt.

BB: „Have you slept with a woman before?“
FG: „Have you ever been with a girl, Forrest?“

BB: Daisys erste sexuelle Avancen gegenüber Benjamin enden in seiner Verweigerung.
FG: Jennys erste sexuelle Avancen gegenüber Forrest enden in ejaculatio praecox.

BB: Benjamin wird von Daisy bis zu seinem Tod gepflegt.
FG: Forrest pflegt Jenny bis zu ihrem Tod.

BB: Drehbuch: Eric Roth
FG: Drehbuch: Eric Roth

Jede Firma hat ihren Gründungsmythos. Der von The Auteurs geht so:

Efe Cakarel, ein gut 30-jähriger computeraffiner Betriebswirtschaftler mit einem Stanford-Abschluss, sitzt im Jahr 2007 in einem Café in Tokio. Er muss Zeit überbrücken und verspürt das unbändige Verlangen, den Film In the Mood for Love von Wong Kar-Wai zu sehen. Auf seinem Laptop, über das Internet. Als Cakarel zu seinem Erstaunen bemerkt, dass das nicht geht, hat er eine Marktlücke entdeckt: Die Filmstudios sind weit davon entfernt, das Internet richtig zu nutzen. Video on Demand gibt es nur für Blockbuster, nicht für internationale Filmkunst. Zurück in Palo Alto, Kalifornien, macht er sich an die Arbeit. The Auteurs, Ende letzten Jahres online gegangen (allerdings in Beta), steckt noch in den Anfängen – und hat das Zeug dazu, eine wirklich große Tat zu vollbringen. Dabei ist es keineswegs so, dass man außerhalb der USA nichts von der ganzen Sache hat. Im Gegenteil. Das Angebot für Deutschland ist derzeit sogar größer als für Amerika. Knapp 80 Titel kann man sich direkt auf den eigenen Computer holen. Und nach Angaben der Firma werden es täglich mehr.

Heute morgen habe ich mir einen Film angesehen, hinter dem ich schon lange her war: The Circle von dem iranischen Regisseur Jafar Panahi (in Deutschland bekannt durch Offside, 2006). Ich reiste zu keinem Festival, fuhr nicht mit der Straßenbahn zur Videothek (die den Film mit ziemlicher Sicherheit ohnehin nicht führt), suchte nicht bei Internet-Händlern und schlug mir auch nicht mit 3Sat oder Arte die Nacht um die Ohren.

Ich klappte nur meinen Computer auf und klickte dreimal.

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Schlicht und schnell: Der Viewer funktioniert mit Mac und Windows. Screenshots: thfu

Der Browser verdunkelte sich bis auf ein Rechteck in der Mitte, in dem der Film (iranisches Original mit englischen Untertiteln) begann. Mit einem weiteren Klick wechselte ich zu einer bildschirmfüllenden Ansicht. Nach einer guten halben Stunde musste ich fort. Ich beendete den Browser. Am Nachmittag, nach meiner Rückkehr, klappte ich den Computer wieder auf. Wieder dauerte es nur drei Klicks. Netterweise wurde ich gefragt, ob ich The Circle von dort weiterschauen möchte, wo ich zuvor gestoppt hatte, oder ob ich den ganzen Film noch einmal von vorn sehen wolle.
Kosten: drei Euro. Das ist weniger als ich in der hiesigen Filmkunstvideothek, der Kölner Traumathek, für eine Ausleihe über Nacht bezahlt hätte.

The Auteurs, eine ehrgeiziges Projekt, das Ende vergangenen Jahres online gegangen ist und wegen seiner Partnerschaft mit dem DVD-Label Criterion einiges Aufsehen erregt hat, ist nun ein paar Monate im Geschäft – ein näherer Blick sollte sich also lohnen. Beginnen wir mit der Selbstdarstellung der Firma:

„The Auteurs ist Berlin, Cannes, Toronto und Venedig – 365 Tage im Jahr. Ein Online-Kino, in dem man Filme sehen, entdecken und diskutieren kann. Verlieben Sie sich von Neuem in die Filme und treffen Sie Gleichgesinnte. Grossartige Filme, eigene redaktionelle Berichterstattung und eine Gemeinschaft der interessantesten und interessiertesten Filmfans weltweit – all das erwartet Sie. Stellen Sie sich eine virtuelle Cinemathek vor: sie verlassen das Dunkel des Vorführraums und finden sich unter Freunden wieder.“

Man kann also, wie beschrieben, Filme online sehen (per Flash) und in den Diskussionsforen mitreden (die Beiträge dort sind interessant und engagiert). Erste Stufe des Vorhabens war eine Abteilung namens The Auteurs Notebook, die eine Mischung aus Filmmagazin und Blog darstellt und für das viele bekannte US-Filmblogger schreiben. So weit, so gewöhnlich. Das Ganze ist aber weit mehr als das übliche Video-on-Demand-Geschäftsmodell, mit dem Videobuster und andere seit einiger Zeit auf technisch schrecklich komplizierte Weise ihr Glück versuchen. (Videobuster bietet VoD nur für Windows und nur für den Internet Explorer an.) Denn das Filmangebot gleicht nicht dem Laden um die Ecke, sondern orientiert sich an anspruchsvollen, cinephilen Kunden. Stellen Sie sich also vor, sie hätten den Bestand von Criterion und Celluloid Dreams jederzeit zur Verfügung. Internationale Klassiker und Festivalperlen, für die man nicht mehr mühevoll auf die Jagd gehen muss. Die Idee ist ambitioniert. Sie ist kühn.

Sie wird hoffentlich funktionieren.

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Plötzlich diese Übersicht: Das Design der Website ist übersichtlich und elegant.

Und sie ist erfreulicherweise nicht nur für US-Bürger gedacht. The Auteurs erwirbt systematisch auch internationale Filmrechte. In Deutschland sind bisher nach meiner Zählung 78 Filme zu sehen (Stand: 18. Februar 2009). Das ist nicht viel, aber es ist ein guter Anfang. Neben Panahi ist zum Beispiel Arnaud Desplechin dabei (How I Got Into An Argument… (My Sex Life)), außerdem Ozon (Un lever de rideau) und Hirokazu Kore-Eda (After Life). Hier die Liste. Die gesamte Datenbank umfasst derzeit 1.257 Titel, aber längst nicht alle davon stehen zum Ansehen zur Verfügung, auch in den USA nicht. Sie ist vielmehr als Diskussionsgrundlage für das Forum und als Ausblick in die Zukunft gedacht. Als Versprechen. Und natürlich ist es nicht das Ziel, zehntausende von Titeln in den Katalog aufzunehmen. Auf eine Anfrage an die Presseabteilung erhielt ich folgende Antwort:

„As of Monday, we have 71 films playing in the US, 79 playing in Germany, and 260 playing across all countries. We expect to have 500 films playing worldwide by the time of the Cannes film festival (Anm.: das wäre Mitte Mai 2009). As far as how many films we’ll have in 1 to 5 years, it is really up to our programmers. We are not a shop that offers any and every film, but a curated selection of the best auteur films.“

Wer hätte das gedacht? In Deutschland sind mehr Filme online zu sehen als in den USA (trotz des dortigen Deals mit Criterion). Am besten sind Großbritannien und Frankreich ausgestattet, aber für kein Land sind zurzeit mehr als 100 Filme im Angebot. Merke: Die Gesamtzahl von bis zu 500 bis Mai bedeutet nicht, dass alle Filme überall zu sehen wären. Dafür sind die internationalen Verleihrechte zu kompliziert. Nach Angaben von Cakarel werden bis Ende 2009 rund 1.000 Filme erwartet (wieviele davon in Deutschland zur Verfügung stünden, lässt sich nicht vorhersagen). Die maximale Größe des Angebot soll mit 2.000 Filmen erreicht sein, deren Bestand einem laufenden Austauschprozess unterläge. Allzu unpopuläre würden dann durch andere ersetzt.

Ein Film kostet fünf Euro (leider wird ein Dollar-Umrechnungskurs von eins zu eins angewendet), aber es gibt günstigere Abo-Preise. Ich habe mich für sechs Euro angemeldet, dafür kann ich pro Monat zwei Filme sehen. Die Bedienung ist kinderleicht, formschön und funktioniert mit Mac und Windows. Die Filme sind nach Darstellung von The Auteurs in HD. Die Qualität ist aber wohl unterschiedlich. Bei The Circle waren im Vollbildmodus ausgefranste Ränder zu sehen, und bei dunklen Flächen bildeten sich viele Artefakte. Mit einem Adapterkabel soll man den Computer auch an den Fernseher anschließen können, das habe ich aber nicht ausprobiert.

Problemlos konnte ich den Film auf meinem MacBook starten und später auf einem iMac beenden.
Man hat sieben (!) Tage Zeit, einen Film anzusehen. Auch mehrmals. Bei den Abo-Angeboten gibt es eine Art Flatrate: Für 18 Euro pro Monat hat man uneingeschränkten Zugang zur gesamten Bibliothek. Efe Cakarel und sein kleines Team sind dabei, mit attraktiven Bezahlmodellen, Bedienerfreundlichkeit, Übersichtlichkeit und einem Sinn für eine Marktlücke das Verleihgeschäft zu verändern. Es ist das erste Mal, dass ich im Konzept des Video on Demand einen Sinn sehe.

Sein ursprüngliches Ziel hat Cakarel freilich noch nicht erreicht: In The Mood For Love gibt es immer noch nicht online – ruft man den Film in der Auteurs-Datenbank auf, wird man von einem bedauernden „Not available to watch“ empfangen. Wie (noch) bei 1.000 anderen Titeln auch.

-Website
-Ein Interview mit The-Auteurs-Gründer Efe Cakarel im Magazin Film Comment.

UPDATE (23.2.09): Nicht so ganz schlecht – 19 von 24 Kategorien richtig geraten (Details). Den fremdsprachigen Film – Japans The Departure – hatte wirklich niemand auf dem Schirm. Sean Penn statt Mickey Rourke geht in Ordnung, sonst wird letzterer gleich wieder größenwahnsinnig. Und Slumdog ist genau das, was man von einem Oscar-Gewinner erwartet. Die Show war gut, aber das kann natürlich nur jemand sagen, der, wie ich, Musicals mag. Die Idee, den nominierten Schauspielern jeweils durch eine Handvoll Vorgänger/innen einen kleinen Tribut zu zollen, war charmant. Für die volle Atmosphäre des ganzen Abends bitte, wie jedes Jahr, bei Anke Gröner nachlesen. Ein ausführliches Protokoll gibt es außerdem bei Thomas Hunziker.

***

Liste aller Nominierten bei Oscars.com

Andere Oscar-Tipps

So viele Filme wie dieses Jahr habe ich vor der Verleihung noch nie gesehen. Mal sehen, ob sich das auf meine Treffsicherheit auswirkt. Weiter unten sind noch einige der Kurzfilm-Nominierten per Youtube zu sehen. Los gehts:

PERFORMANCE BY AN ACTOR IN A LEADING ROLE

Mickey Rourke für The Wrestler, weil dieses Comeback einfach unwiderstehlich ist.

PERFORMANCE BY AN ACTOR IN A SUPPORTING ROLE
Heath Ledger für The Dark Knight, weil man einem Toten die Ehre erweisen muss.

PERFORMANCE BY AN ACTRESS IN A LEADING ROLE
Kate Winslet für The Reader, weil alle denken, dass sie ihn kriegt.

PERFORMANCE BY AN ACTRESS IN A SUPPORTING ROLE
Penélope Cruz für Vicky Cristina Barcelona, weil sie es schafft, mit einem späten Auftritt einen ganzen Film zurechtzurütteln.

BEST ANIMATED FEATURE FILM OF THE YEAR
Wall-E. „Put on your Sunday clothes, there’s lots of world out there / Get out the brillantine and dime cigars …“

ACHIEVEMENT IN ART DIRECTION
The Curious Case of Benjamin Button, weil der in allen Kategorien dieser Art gewinnen wird.

ACHIEVEMENT IN CINEMATOGRAPHY
Slumdog Millionaire, weil der dann doch interessanter gemacht ist, als ich zunächst dachte. David Bordwell erklärt das sehr ausführlich, indem er auf die uralten Kinotraditionen hinweist, die verwendet werden – und die auch im indischen Kino Verwendung fanden. Er widerlegt quasi den Vorwurf, Slumdog sei eine westliche Aneignung Indiens: „The film’s style seems to me a personalized variant of what has for better or worse become an international style.“

ACHIEVEMENT IN COSTUME DESIGN
The Curious Case of Benjamin Button (s.o.)

ACHIEVEMENT IN DIRECTING
Danny Boyle für Slumdog Millionaire – auch hier gilt der Hinweis auf David Bordwells Analyse des Films.

BEST DOCUMENTARY FEATURE
Man on Wire, weil alle, die ihn gesehen haben, ihn atemberaubend finden.

BEST DOCUMENTARY SHORT SUBJECT
The Final Inch, weil es sozusagen die dokumentarische Ergänzung zu Slumdog Millionaire ist. Trailer:

ACHIEVEMENT IN FILM EDITING
Slumdog Millionaire – und noch einmal David Bordwell.

BEST FOREIGN LANGUAGE FILM OF THE YEAR
Waltz with Bashir, weil sich die Akademie der Kombination innovative Form + aktuelles Thema nicht wird entziehen können. Dagegen sieht der Baader-Meinhof-Komplex sehr alt aus.

ACHIEVEMENT IN MAKEUP
The Curious Case of Benjamin Button (s.o.)

ACHIEVEMENT IN MUSIC WRITTEN FOR MOTION PICTURES (ORIGINAL SCORE)
Slumdog Millionaire, weil der Soundtrack mal eine nette Abwechslung ist.

ACHIEVEMENT IN MUSIC WRITTEN FOR MOTION PICTURES (ORIGINAL SONG)
Jai Ho (Slumdog Millionaire) – weil der Bollywood-Nachspann fetzt.

BEST MOTION PICTURE OF THE YEAR
Slumdog Millionaire, weil er ein nahezu perfekter Publikumsbeglücker ist.

BEST ANIMATED SHORT FILM
La Maison de petits Cubes
(auf Youtube sind alle Nominierten zu sehen, teilweise vollständig, teilweise als Trailer. La Maison gefiel mir einfach am besten, wobei alle ziemlich hübsch sind. Mein zweiter Favorit: der russische Beitrag Lavatory Lovestory, das ist der letzte in dieser Reihe. Im amerikanischen iTune-Store gibt es alle in voller Länge.)




BEST LIVE ACTION SHORT FILM
Spielzeugland (Im Jahr 1942 glaubt ein deutscher Junge, seine jüdischen Nachbarn gingen ins Spielzeugland. Getreulich der Regel, dass deutsche Filme mit Nazi-Themen immer gewinnen, muss Regisseur Jochen Alexander Freydank den Oscar bekommen.)
Ein paar Ausschnitte aus den nominierten Filmen (auch aus der Animations-Kategorie) gibt es in einem Videobeitrag hinter diesem Link. Als einzigen Film in voller Länger habe ich New Boy gefunden, und zwar hier. Kurzanalysen zu allen Kurzfilmen (einschließlich der animierten) sind auch noch im Angebot.

ACHIEVEMENT IN SOUND EDITING
The Dark Knight, weil der echt gut klingt.

ACHIEVEMENT IN SOUND MIXING
The Dark Knight, weil mir der Unterschied zu SOUND EDITING eh nicht ganz klar ist.

ACHIEVEMENT IN VISUAL EFFECTS
The Curious Case of Benjamin Button (s.o.)

ADAPTED SCREENPLAY
Slumdog Millionaire:

„Beaufoy has sharpened the plot by giving Jamal a basic goal: to unite with Latika. The quiz episodes form a means to that end: the boy goes on the show because he knows she watches it. If told in chronological order, the quiz-show stretches would have come late in the film and become a fairly monotonous pendant to the romance plot. One of the many effects of the flashback arrangement is to give the subsidiary goal more prominence, creating a parallel track for the entire film to move along and arousing anomalous suspense. (We know the outcome, but how do we get there?)“ (ja, schon wieder David Bordwell)

ORIGINAL SCREENPLAY
Milk, weil Sean Penn nicht den Schauspieler-Oscar bekommt.